Buchstaben-Salat-Rezension:
Irgendwie habe ich mir Artus und die Ritter seiner Tafelrunde anders
vorgestellt. Anja Thieme schildert in "Orkneys Söhne" die Sage um den Herrscher
Britanniens und die ihm nahe stehenden Ritter aus der Sicht Mordreds. Dieser ist
nicht nur ein Ritter Camelots, sondern auch Druide, sehr zum Missfallen
Guenneras, Artus Frau und glühende Anhängerin des christlichen Glaubens.
Obwohl Frau Thieme sich sehr
viel Mühe bei Recherche und Darstellung der handelnden Personen gegeben hat -
wie ausführliche Bemerkungen, Karten und Stammbäume am Ende des Buches beweisen
- konnte sie mir Mordred und seine Gefährten nicht so recht nahe bringen. Die
Figuren wirkten auf mich unnatürlich und farblos, um nicht zu sagen
unsympathisch. Mir ist es also nicht wie der Autorin ergangen, die ihrer
Danksagung zufolge mit Mordred gelitten, gelacht und geliebt hat.
Woran das lag? Ich kann es
nicht so recht begründen - vielleicht war es ja der teilweise sehr flapsige
Sprachstil, durch den ich viele Äußerungen der Protagonisten als unecht
empfunden habe. Vielleicht waren es aber auch die übermäßig vielen Liebschaften,
Zoten und Orgien, welche einen Großteil der Handlung vereinnahmten, sie
teilweise sogar erdrückten. Ich bin einer Liebschaft in der Rahmenhandlung
gegenüber nicht abgeneigt, aber hier wurde es mir einfach zu viel und öde,
seitenweise über die sexuellen Eskapaden der diversen Ritter aufgeklärt zu
werden und ihre süffisanten Anekdoten lesen zu müssen.
Dennoch möchte ich dieses Buch nicht verreißen,
dafür merkt man ihm viel zu sehr die Mühe und Sorgfalt an, welche die Autorin
hineingesteckt hat. Ihr Ziel, den in anderen Artus-Erzählungen stets düsteren
und bösen Mordred einmal aus einer anderen Perspektive vorzustellen, hat sie
erreicht. Mordred ist ein innerlich zerrissener Mann, der jedoch keinesfalls
durch und durch böse ist. Er liebt und leidet, erfährt Glück, aber auch viel
Trauriges. Auch wenn er kein strahlender Held wie König Artus ist, bleibt er
seiner Linie stets treu und ist sich seiner Wirkung auf andere immer (im
Positiven wie Negativen) bewusst.
Alles in allem ist "Orkneys
Söhne" ein farbenprächtiger und sorgsam ausgeschmückter Historienschmöker,
dessen Helden mir jedoch seltsam fremd und gleichgültig blieben. Vielleicht hat
es Frau Thieme ja in ihrem Eifer, die Ereignisse in Camelot lebensecht
darzustellen und den Helden Leben einzuhauchen, ein wenig übertrieben?