Buchstaben-Salat-Rezension:
Anna Katharina Vogelmann ist eine schlaue, wissbegierige junge Frau, die im
Haushalt ihres älteren Bruders lebt und dessen Meinung darüber, was sich für ein
"Weibsbild" seiner Zeit ziemt mit der ihren manchmal so gar nicht übereinstimmt.
Als in ihren ruhigen Alltag im Schwäbisch Hall des Jahres 1510 plötzlich diverse
Morde und andere seltsame Geschehnisse einbrechen, kann die neugierige Anna
nicht widerstehen und forscht nach den Ursachen.
"Die Tochter des Salzsieders" ist der Autorin
meiner Meinung nach nicht so gut gelungen, wie ihre anderen historischen Romane,
die allesamt im mittelalterlichen Deutschland spielen. Das liegt zum einen
daran, dass das im Buchtitel genannte Salzsiedertum falsche Erwartungen weckt,
denn viel erfährt man nicht über die Herstellung des Salzes. Erst gegen Ende
wird - fast pflichtbewusst nachgeschoben - kurz darauf eingegangen. Stattdessen
wird der Leser mit Ratsherrn Ulrich gelangweilt, der sich ein ums andere Mal
über einen im Rat verhandelten - und laut Autorin historisch belegten - Streit
um eine Bürgerliche Trinkstube ergeht. Die eigentliche Handlung des Buches um
die seltsamen Morde und das verdächtige Verschwinden von Holzvorkommen bringen
diese Episoden leider nicht voran.
Und so plätschert der Roman leise vor sich hin,
unterbrochen durch ein paar Bluttaten, die von der jungen Anna recht unbeholfen
untersucht werden. Nichts halbes und nichts Ganzes scheint die Geschichte zu
sein, weder historischer Krimi, noch reiner historischer Roman. Nach 454 Seiten
sind die Täter gefasst, alle Rätsel gelöst und die arme Anna sieht einer (wie
damals üblich) von dritter Seite gestifteten Ehe entgegen. Wie es ihr dabei
ergehen wird, kann man im frisch erschienen neuen Roman "Das Kreidekreuz" von
Ulrike Schweikert nachlesen. Ich hoffe nur, dass dieser wieder die Qualität von
"Die Herrin der Burg" erreichen kann.