Buchstaben-Salat-Rezension:
In "Die Hexe und die Heilige" geht
es um Zwillingsschwestern, die beide die Gabe des Sehens haben. Eine der beiden,
Helena, wird als junges Mädchen ins Kloster geschickt, während ihre Schwester
Sibylla in einer anderen Stadt zur Hebamme ausgebildet wird. Das Buch spielt in
einer Zeit (genauer gesagt Anfang des 17. Jahrhunderts), in der die
Hexenverfolgung in großen Teilen des Landes an der Tagesordnung war. Gab die Kuh
keine Milch oder zerstörte ein Hagelsturm die Ernte war vielleicht die
Nachbarsfrau, die sich in letzter Zeit verdächtig benommen hatte, schuld.
Schnell wurden böse Gerüchte und Verleumdungen in Umlauf gebracht, die "Hexe"
vom Schultheiß abgeholt und in den Kerker verbracht. Wurde diese dann einer
peinlichen Befragung (Folter) unterzogen, hatte sie die Namen ihrer Gespielinnen
zu nennen - Namen, die ihr von ihren Folterknechten vorher eingebläut worden
waren.
Das Buch hat
bereits zu Anfang einige dicke Pluspunkte bei mir gesammelt, denn es enthält ein
ausführliches Glossar, das Begriffe wie Untergänger oder Bursnerin erklärt und
dazu einige ergänzende Bemerkungen der Autorin zu Dichtung und Wirklichkeit.
Zwei Karten klären über den Aufbau der Haupthandlungsorte, Ellwangen und
Leonberg, auf.
Man merkt
dem Buch von Beginn an, dass die Autorin sich sehr viel Recherchearbeit gemacht
hat. Die meisten mittelalterlichen Begriffe (wie z.B. die o.g. Berufsstände)
sind zudem im Glossar erklärt, was für das Verständnis wichtig ist. Etwas
verwirrend finde ich die Angewohnheiten der Menschen im Mittelalter, ihren
Kindern Namen aus einem relativ begrenzten "Pool" zu geben. Im Buch stolperte
ich schon des Öfteren darüber, dass z.B. in einer Situation nicht von der
Tochter des Hauses die Rede ist, sondern von der Nachbarsfrau. Oder dass Mutter
und Tochter denselben Namen haben - wie es bei Helena der Fall ist.
Bedrückend wird auch die Rolle der Frau geschildert - ich weiß ja, dass es
damals so üblich war, dass eine Frau auf der Inventarliste ihres Mannes irgendwo
zwischen Kleiderschrank und Melkschemel rangierte. Trotzdem macht es mich wütend
zu lesen, wie Männer ihre Frauen behandeln durften, ohne dass ihnen jemand etwas
anhaben konnte. Nun ja, so ganz sind diese Zustände ja auch in unserer
"modernen" Welt noch nicht beseitigt...
Alles in allem ein gutes Buch, das viele Details
aus dem Leben der normalen Bevölkerung schildert und sich meist flüssig lesen
lässt. Vor allem gegen Ende nimmt die Handlung noch an Fahrt auf und ließ mich
fast die Hälfte des verbliebenen Buches in einem Rutsch durchlesen. Ich bin
schon gespannt auf die anderen Bücher der Autorin!