Buchstaben-Salat-Rezension:
Die Herrin der Burg ist ein stimmungsvoller, gut recherchierter historischer
Roman, der viel Wert auf Details und Atmosphäre legt. Die junge Tilia wächst
zusammen mit ihrer Halbschwester Gret (dem Bastard ihres Vaters) auf Burg
Wehrstein auf. Während Tilia eine weitgehend behütete Jugend erlebt, ist Grets
Kindheit schon bald vorbei - als Magd muss sie harte Arbeit leisten und wird
noch sehr jung an den um viele Jahre älteren Schmied verheiratet. Als beide
Frauen zusammen in die Fremde, auf Burg Zollern, geschickt werden, brechen für
Tilia harte Zeiten an - und für Gret noch härtere.
Am Anfang des Buches hatte ich zunächst große
Schwierigkeiten, alle Namen der handelnden Personen auseinander halten zu
können, doch ein Blick in das Personenglossar konnte hier schnell Abhilfe
schaffen. Danach gelang es mir aber gut, vollkommen in die mittelalterliche Welt, die Ulrike Schweikert vor ihrem Leser ausbreitet, einzutauchen. Gerade die Beschreibungen des
Alltagslebens, die Arbeit in der Küche oder die Ausschweifungen eines
abendlichen Gelages werden sehr farbig und anschaulich einfangen.
Während des
Lesens wurde mir wieder einmal klar, wie das Leben einer jungen Frau im
Mittelalter ausgesehen haben mag. Das besondere an Schweikerts Buch war für mich
aber, dass sie nicht nur die Grenzen beschrieb, auf die eine junge Adelige in
der damaligen Zeit unweigerlich treffen würde, sollte sie ihre Rolle über das
Übliche hinaus (d.h. für männlichen Nachwuchs sorgen, das Personal überwachen
und Sticken) ausdehnen wollen. Der Autorin gelang es nämlich außerdem, auch
das Schicksal einer Frau ohne standesrechtliche Privilegien nicht zu vergessen,
denn obwohl die adelige Tilia im Laufe des Buches von ihren männlichen
Zeitgenossen so einiges hinnehmen musste, war ihre Halbschwester Gret viel
größeren Ungerechtigkeiten ausgeliefert.
Ein weiterer interessanter Aspekt
des Buches war, dass die Autorin ihr Augenmerk nicht nur auf die Hauptpersonen
legte. Immer wieder wurden auch unwichtigen Personen in den Mittelpunkt gerückt
- allerdings (und hier liegt mein einziger Kritikpunkt am Buch) wurde dabei
meist nur ihr letztes Stündlein geschildert. Dieses Muster war für mich nach
kurzer Zeit recht durchschaubar und raubte dem Buch ein wenig die Spannung...
Fazit: Ein empfehlenswertes Buch, das Abwechslung
vom ausgedehnten Markt der historischen Romane mit Handlungsfeld England
verspricht und dabei großen Wert auf Personen und Atmosphäre legt.