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Ulrike Schweikert


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Die Herrin der Burg

 



464 Seiten (TB), Verlagsgruppe Droemer Knaur
Genre: Historischer Roman

Bewertung (1-10):

"Stolz führte er seine jungfräuliche Braut durch die Grafschaft."

Inhalt:
Tilia, Tochter des Ritters von Wehrstein, wird an Allerheiligen im Jahre 1267 geboren. Einst war das Geschlecht derer von Wehrstein reich und mächtig, doch diese Zeiten sind längst vorbei. Als Tilia von ihrem Vater den politisch prekären Auftrag bekommt, auf die Burg der Zollern zu reisen, wird sie nur von ihrer Magd Gret und dem jungen Gefolgsmann Heinrich von Husen begleitet, der Tilia verehrt. Auf Burg Zollern sollen Tilia und Gret der Tochter des Zollerngrafen dienen, doch Tilia wird bald klar, dass sie hier mehr als unerwünscht ist. Zwischen Intrigen und Missgunst, Eifersucht und roher Gewalt muss die junge Frau lernen, sich in der feindlichen Umgebung zu behaupten, und dringt gleichzeitig in eine völlig fremde Welt ein.

Buchstaben-Salat-Rezension:
Die Herrin der Burg ist ein stimmungsvoller, gut recherchierter historischer Roman, der viel Wert auf Details und Atmosphäre legt. Die junge Tilia wächst zusammen mit ihrer Halbschwester Gret (dem Bastard ihres Vaters) auf Burg Wehrstein auf. Während Tilia eine weitgehend behütete Jugend erlebt, ist Grets Kindheit schon bald vorbei - als Magd muss sie harte Arbeit leisten und wird noch sehr jung an den um viele Jahre älteren Schmied verheiratet. Als beide Frauen zusammen in die Fremde, auf Burg Zollern, geschickt werden, brechen für Tilia harte Zeiten an - und für Gret noch härtere.

Am Anfang des Buches hatte ich zunächst große Schwierigkeiten, alle Namen der handelnden Personen auseinander halten zu können, doch ein Blick in das Personenglossar konnte hier schnell Abhilfe schaffen. Danach gelang es mir aber gut, vollkommen in die mittelalterliche Welt, die Ulrike Schweikert vor ihrem Leser ausbreitet, einzutauchen. Gerade die Beschreibungen des Alltagslebens, die Arbeit in der Küche oder die Ausschweifungen eines abendlichen Gelages werden sehr farbig und anschaulich einfangen.

Während des Lesens wurde mir wieder einmal klar, wie das Leben einer jungen Frau im Mittelalter ausgesehen haben mag. Das besondere an Schweikerts Buch war für mich aber, dass sie nicht nur die Grenzen beschrieb, auf die eine junge Adelige in der damaligen Zeit unweigerlich treffen würde, sollte sie ihre Rolle über das Übliche hinaus (d.h. für männlichen Nachwuchs sorgen, das Personal überwachen und Sticken) ausdehnen wollen. Der Autorin gelang es nämlich außerdem, auch das Schicksal einer Frau ohne standesrechtliche Privilegien nicht zu vergessen, denn obwohl die adelige Tilia im Laufe des Buches von ihren männlichen Zeitgenossen so einiges hinnehmen musste, war ihre Halbschwester Gret viel größeren Ungerechtigkeiten ausgeliefert.

Ein weiterer interessanter Aspekt des Buches war, dass die Autorin ihr Augenmerk nicht nur auf die Hauptpersonen legte. Immer wieder wurden auch unwichtigen Personen in den Mittelpunkt gerückt - allerdings (und hier liegt mein einziger Kritikpunkt am Buch) wurde dabei meist nur ihr letztes Stündlein geschildert. Dieses Muster war für mich nach kurzer Zeit recht durchschaubar und raubte dem Buch ein wenig die Spannung...

Fazit: Ein empfehlenswertes Buch, das Abwechslung vom ausgedehnten Markt der historischen Romane mit Handlungsfeld England verspricht und dabei großen Wert auf Personen und Atmosphäre legt.

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