Buchstaben-Salat-Rezension:
Essen Sie gerne Hummer? Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie sich die
Gesellen zweimal anschauen, bevor Sie Ihre Gabel in sie hineinbohren. Ein
romantischer Spaziergang am Meer wird vielleicht von einem nervösen
Schulterblick begleitet werden, ob da nicht ein paar Krabben... Und das
obligatorische Whale-Watching im Kanada-Urlaub... - aber ich verrate zu viel.
In Frank Schätzings Öko-Thriller "Der Schwarm"
geht es um die Bedrohung der Menschheit aus dem bzw. durch das Meer. Eine Reihe
von Ereignissen auf der ganzen Welt erscheinen zunächst zwar seltsam und bizarr,
aber noch wird ihnen keine Bedeutung im großen Rahmen beigemessen. Der Leser
lernt einige Wissenschaftler kennen, die rund um den Erdball verteilt ihrer
Arbeit nachgehen und eines gemeinsam haben - irgendwie haben ihre
Forschungsaufträge alle etwas mit dem Meer zu tun. Schätzing stellt uns die
Wissenschaftler sorgfältig vor - ohne zu langweilen - versieht sie jeweils mit
einer privaten Note, wodurch sie plastischer und sicherlich auch leichter zu
ertragen werden, denn immerhin sollen sie uns durch dieses 1.000 Seiten starke
Buch begleiten.
Der Aufbau der Geschichte
verläuft nach einem Muster, das man spätestens nach dem ersten Viertel des
Buches durchschaut: Wissenschaftliche Erklärungen wechseln sich mit spannenden
Geschehnissen ab, das ganze abgerundet mit einer Prise Beziehungsgeschichte und
persönlichem Background der Protagonisten. All das in appetitlich portionierten
Bröckchen, immer schön abwechselnd präsentiert. Auch wenn das Schnittmuster bald
durchscheint, mindert es den Unterhaltungswert der Geschichte doch kaum - im
Gegenteil, ich denke, dass es gerade bei einem Buch von solch einer Dicke, das
voll gestopft ist mit wissenschaftlichen Hintergrundinformationen, wichtig ist,
den Leser nicht zu überfordern.
Bei mir zumindest ging Schätzings Häppchentaktik
auf - bis kurz vor Ende konnte ich mich kaum vom Buch trennen. Einzig den
Schluss hätte der Autor etwas weniger bizarr gestalten sollen (allerdings reißt
der Epilog es für mich wieder heraus). Ein wenig rutscht die Geschichte auch in
die typische Showdown-Hektik ab - die Ereignisse überschlagen sich, ein paar
Klischées werden bemüht und alles erinnert irgendwie an einen der typischen
Kinofilme à la Deep Impact oder Independence Day. Etwas weniger wäre nach meinem
Geschmack mehr und sicherlich ebenso dramatisch gewesen...
Fazit: Ein spannender, aber auch lehrreicher
Öko-/Wissenschaftsthriller, der - meiner Meinung nach äußerst gelungen - dem
Menschen bewusst macht, dass er nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein Teil
von ihr ist, dessen Handeln Konsequenzen hat. Dies gelingt Schätzing ohne den
mahnend erhobenen Zeigefinger, sondern allein durch eine sorgfältig aufgebaute
Geschichte mit hohem Unterhaltungswert. Einzig was die Actionsequenzen angeht,
hatte der Autor wohl einige einschlägige Kinofilme zu sehr verinnerlicht.