Buchstaben-Salat-Rezension:
Sperling ist eines der wenigen Science-Fiction-Bücher, die ich bisher gelesen
habe und hat meine Erwartungen an dieses Genre nicht erfüllt. Das ist aber
beileibe kein Kritikpunkt, sondern es hat sich nur als ganz anders
herausgestellt, als ich erwartet habe. Keine Weltraumschlachten oder strahlende
Helden, sondern eine kleine, sympathische Gemeinschaft, bestehend aus (zum Teil
jesuitischen) Wissenschaftlern, die sich aufmacht, den Ursprung geheimnisvoller,
aus dem Weltraum kommender Gesänge aufzuspüren.
Stilistisch gesehen forderte das Buch auf den
ersten 200 Seiten von mir einiges an Konzentration, denn es handelt - meist
kapitelweise abwechselnd - in der Gegenwart nach der Expedition, erklärt aber in
einem zweiten Handlungsstrang auch das Zusammenkommen der Expeditionsgruppe und
deren Reise. Die vielen Namen, außerdem die mir bisher unbekannte Struktur
innerhalb eines Jesuitenordens trugen dazu bei, dass mir zunächst ein wenig der
Überblick fehlte. Nach und nach legte sich meine Verwirrung und ich konnte
restlos eintauchen in eine spannende, teilweise fröhliche, aber auch bedrückende
Geschichte.
Bedrückend
vor allem, weil von Anfang an klar ist, dass nur ein einziger von der Expedition
zu der außerirdischen Zivilisation zurück kehrt. Und weil Russell wirklich viel
Zeit dafür aufbringt, die meisten der teilnehmenden Personen genau vorzustellen
und sie mir äußerst sympathisch erscheinen zu lassen. Glücklicherweise tut sie
dies auf unterhaltsame Art, die stets vom intelligenten Humor der Protagonisten
dominiert wurde, so dass keine Langeweile aufkam
Das Ende des Buches ließ mich recht nachdenklich zurück,
vor allem was das Thema geistige Prostitution (hierzu gibt die Autorin eine
Antwort im
Interview auf Literaturschock.de) oder die Gesellschaft auf Rakhat
angeht. Auch das großzügig behandelte Thema
der Linguistik und Spracherlernung hat mir in seiner schlüssigen Aufbereitung
gut gefallen. Abschließend kann ich sagen, dass ich "Sperling" jedem nur
empfehlen kann, der auch mit Büchern ohne große "Action" etwas anfangen kann,
sich für Geschichten, die vor allem von ihren Charakteren leben, interessiert
und nebenbei auch noch offen ist für ungewöhnliche Ideen und Konzeptionen.