Buchstaben-Salat-Rezension:
Kay Scarpetta bekommt Gesellschaft - in Form von Tempe Brennan, die wie
Scarpetta ebenfalls Gerichtsmedizinerin ist, ebenfalls eine Neigung dazu hat,
Fälle auch über den Obduktionstisch hinaus zu verfolgen und sich - ebenfalls -
in persönliche Gefahr zu bringen.
Der erste Roman einer mittlerweile sechsteiligen
Reihe um die Amerikanerin in Montréal kommt leider nur schwer in die Gänge. Zu
ausführlich und langatmig ist vor allem die erste Hälfte des über 500 Seiten
starken Medical Thrillers. Was mich ein wenig gestört hat, sind die
offensichtlichen Parallelen zur "berühmten" Kollegin Scarpetta: Beide Frauen
müssen sich in einer Männerwelt behaupten, sind dadurch mehr oder weniger
verbittert. Und sowohl Scarpetta, als auch Brennan sind geschieden, die eine hat
engen Kontakt zu ihrer Nichte Lucie, während die andere Tochter Katy hat. Wie
auch Scarpetta unternimmt Brennan Ermittlungen auf eigene Faust und muss ihre
Kollegen von der Polizei erst von ihrer eigenen Theorie überzeugen.
Am meisten genervt hat mich
allerdings die Tatsache, dass auch Kathy Reichs auf denselben Zug aufgesprungen
ist, in dem mittlerweile viele Thriller-Autoren sitzen: Am Ende hat der Killer
natürlich die Hauptperson im Visier und es kommt zum finalen Showdown in der
Wohnung derselben. Welchen diese natürlich überlebt, denn sonst wäre es ja keine
Serie. Wieso kann kein Thriller enden, ohne dieses eher ausgelutschte Ende zu
bemühen? Fällt den Autoren heutzutage nichts originelleres mehr ein? Oder wollen
Leser so etwas lesen? Ich habe jedenfalls so meine Probleme damit - vor allem
weil der Klappentext eben dieses Ende bereits vollmundig ankündigt.
Soviel zu den Schwächen und Ärgernissen des
Romans. Natürlich gab es auch gute Momente und ich möchte auch nicht vergessen,
dass "Tote lügen nicht" der erste Teil einer Reihe ist und der Autorin eine
Steigerung zutrauen. Anerkennen muss man auch die Sorgfalt, mit der Reichs vor
allem die gerichtsmedizinische Arbeit beschreibt. Mit diesen Beschreibungen und
auch den vielen spannenden Momenten - viele Kapitel enden mit einem Cliffhanger,
der jedoch im folgenden sofort aufgelöst wird - schaffte sie es, mich bei der
Stange zu halten.
Fazit:
Frau Reichs hat zwar das Rad nicht neu erfunden und der erste Teil ihrer Serie
leidet an einigen Kinderkrankheiten, dennoch ist ihr ein Stück spannende
Unterhaltung gelungen.