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Sven Regener


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Herr Lehmann




284 Seiten (TB), Verlagsgruppe Randomhouse
Genre: Allgemeine Belletristik

Bewertung (1-10):

"Der Nachthimmel, der ganz frei von Wolken war, wies in der Ferne, über Ostberlin, schon einen hellen Schimmer auf, als Frank Lehmann, den sie neuerdings nur noch Herrn Lehmann nannten, weil sich herumgesprochen hatte, dass er bald dreißig Jahre alt werden würde, quer über den Lausitzer Platz nach Hause ging."

Inhalt:
Der Wahlkreuzberger Lehmann ist noch keine dreißig, und er liebt sein ereignisloses Leben. Jahrelange Ausweichmanöver und heroische Trägheit haben ihn bisher erfolgreich vor den Ansprüchen seiner Umwelt verschont, bis das Jahr 1989 beginnt. Das Jahr der Wiedervereinigung stellt Herrn Lehmann auf eine harte Probe...

Buchstaben-Salat-Rezension:
Tja, wie bewertet man ein Buch, das einem stilistisch zwar gut gefallen hat, dessen Protagonist aber eine unerträgliche Type ist? War Herr Lehmann in den ersten paar Kapiteln noch unwiderstehlich komisch (das Telefonat mit seiner Mutter ist ein Highlight des Buches), so ging mir der Endzwanziger mit seinem bierseeligen und reichlich trantütigen Lebensstil nach einiger Zeit einfach zu sehr auf die Nerven, als dass ich noch Regeners an sich scharfsinnige Art, das Umfeld seines Protragonisten zu beschreiben, ausreichend würdigen konnte. Ich mochte Herrn Lehmann einfach nicht! Noch mochte ich seine Freunde, die ähnlich wie er, ihr Leben mit dem Abhängen in Kneipen und Diskutieren unsinniger Dinge verplempern.

So hat sich mir leider der intendierte Witz zwar erschlossen, doch darüber lachen konnte ich meistens nicht. Regener gelingt es zwar vortrefflich, mit Herrn Lehmann einen Mann zu schildern, der so langsam seine Twen-Zeit hinter sich lässt und noch immer keinen Plan vom Leben hat. Doch hat mich sein von Kneipenhockerei und Trägheit erfülltes Leben so genervt, dass ich einfach keine Energie mehr dazu aufbringen konnte, über ihn zu lachen. Die Geschichten wurden immer nerviger und nur kurz unterbrochen vom Auftauchen der Eltern in Berlin (ein kleiner Lichtblick) und der Reise in den Osten (ein großer Lichtblick), doch gerade das Ende zog sich ewig hin und kam zu keinem befriedigenden Abschluss.

Alles in allem: Ja, ich habe die Botschaft des Buches verstanden - aber dennoch muss ich ja nicht alles komisch finden, auch wenn ich damit wohl nicht mit Hellmuth Karasek und Marcel Reich-Ranicki, die  "schallend gelacht" haben über dieses "kleine Wunder", konform gehen.

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