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Walter Moers


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Die Stadt der Träumenden Bücher
 


Ein Zamonien-Roman
455 Seiten (HC), Piper Verlag
Genre: Allgemeine Fantasy

Bewertung (1-10):

"Wenn ein junger Lindwurmfestenbewohner ins lesereife Alter eintritt, bekommt er von seinen Eltern einen sogenannten Dichtpaten zugeordnet."

Inhalt:
Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterläßt er seinem Schützling nur wenig mehr als ein Manuskript. Dieses aber ist so makellos, daß Mythenmetz sich gezwungen sieht, dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Als der Held sie betritt, ist es, als würde er die Tür zu einer gigantischen Buchhandlung aufreißen. Er riecht den Anflug von Säure, der an den Duft von Zitronenbäumen erinnert, das anregende Aroma von altem Leder und das scharfe, intelligente Parfüm von Druckerschwärze. Einmal in den Klauen dieser buchverrückten Stadt, wird Mythenmetz immer tiefer hineingesogen in ihre labyrinthische Welt, in der Lesen noch eine wirkliche Gefahr ist, in der rücksichtslose Bücherjäger nach bibliophilen Schätzen gieren, Buchlinge ihren Schabernack treiben und der mysteriöse Schattenkönig herrscht.

Buchstaben-Salat-Rezension:
Der Unterschied zwischen einer x-beliebigen und einer von Walter Moers ersonnenen Geschichte lässt sich bereits an einem Satz veranschaulichen: "Dann wurde mir schwarz vor Augen." - kein besonders origineller Satz und in einem normalen Buch wäre hier das Kapitel zu Ende und ein neues beginnt. Bei Moers hingegen wird nicht nur dem Helden plötzlich schwarz vor Augen, sondern auch dem Leser. Moers setzt an dieser Stelle eine seiner wirkungsvollen und originellen Veranschaulichungen ein, die mal in Form von Bildern, größer oder kleiner werdender Schrift oder ganz einfach zwei vollkommen schwarz gedruckten Seiten in seinen Geschichten auftauchen. Erwarte das Unerwartete - dieses Motto gilt nicht nur für die Handlung seines neusten Zamonien-Romanes, sondern auch für die wunderbare Gestaltung seiner Bücher.

Sein neuster Streich ist "Die Stadt der Träumenden Bücher" - ein Roman aus der Feder Hildegunst von Mythenmetz, den Moers aus dem Zamonischen "übertragen" hat. Bereits hier fängt der hintersinnige Witz des Autors an und setzt sich gekonnt auf den folgenden 455 Seiten fort. Wer die "Mythenmetzschen Abschweifungen" in "Ensel und Krete" geliebt hat, kommt hier voll auf seine Kosten und wird ganz nebenbei auch noch über den Ursprung seiner Intimfeindschaft mit dem Literaturkritiker Laptantidel Latuda aufgeklärt. Die gerade mal 77 Jahre alte Großechse besucht Buchhaim - das Traumziel aller Leseratten und angehenden Schriftsteller, denn hier dreht sich alles ums geschriebene Wort. In der Stadt der Träumenden Bücher (wie Buchhaim auch noch genannt wird) wird der bisher noch unveröffentlichte Dichter in ein gefährliches Abenteuer hineingezogen.

Bald wird er konfrontiert mit brutalen Bücherjägern, unheimlichen Leuchtquallen, einäugigen Buchlingen, Harpyren und Spinxxxen, lebenden Bücher und dem geheimnisvollen Schattenkönig. Doch was jeden Bücherfreund verstohlen aufseufzen lassen wird, sind die vielen phantastischen Dinge, die es in Buchhaim rund um Geschichten, Autoren und Bücher zu finden gibt - Moers Erfindungsgeist kennt keine Grenzen und läuft in seinem neustem Werk auf Hochtouren. Man sollte sich allerdings auf die vielen, oft absurden oder genialen Geistesblitzes einlassen können - Vollblutrealisten werden kaum Spaß an der verrückten Geschichte haben. "Die Stadt der Träumenden Bücher" ist ein Buch für Träumer und Bücherliebhaber - bisher ist mir kein Buch begegnet, das so verrückt und dennoch glaubwürdig die Lust am Lesen und an Geschichten zu vermitteln weiß.

Insgesamt erzählt Walter Moers nicht nur eine spannende Geschichte, sondern zeichnet die Traumstadt aller Leseratten (zumindest, was den Teil an der Erdoberfläche angeht). Wer sich auf ein wildes, vor Ideen überschäumendes Märchen einlassen kann, hat mit diesem Buch die richtige Wahl getroffen.

Drei-Minuten-Rezension von Leseratte, 12. Juli 2005
Rezensiert wurde die Hardcover-Ausgabe.
 
Aufmachung:

Robuste Bindung, starker Buchrücken. Dieses Buch hält etwas aus und taugt zu mehrfachem Lesen. Normales Papier. Durchschnittliche Papierstärke. Das Cover ist ein Blickfang. Normales Schriftbild. Weder zu kleine, noch zu große Schriftgröße.

Passt Cover zum Inhalt: ja
Erzählperspektive:

Auktorialer Erzähler (Erzähler ist allwissend, kommentiert, deutet an, blendet vor und zurück im Geschehen).

Einstieg in die Geschichte:

Spannend, originell, interessant. Der Autor hat sich Mühe gegeben, den Einstieg zu erleichtern.

Plot: Wow-Effekt. Viele unerwartete Wendungen.
Figuren: Vielschichtig und interessant.
Setting: Gut recherchiert. Der Autor hat viel Zeit in Hintergrund-recherche investiert.
Lesefluss: Locker. Die Geschichte lässt sich leicht lesen.
Sprache:

Originell und ungewöhnlich. Viele Eigenwort-Kreationen des Autors.

Zusatzmaterial: Lesebändchen
Stärken: Plot (Geschichte), Charakterzeichnung, Setting (Umwelt, in der die Handlung spielt)
Schwächen: Keine
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