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Der Freistaat Dorimare war ein
ausgesprochen kleines Land. |
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Inhalt:
Das Feenland - ein magischer Ort gleich hinter der Grenze- ist den wackeren Bürgern von Dorimare seit Jahrhunderten ein Dorn im Auge. Sie schwören zwar leichthin beim "Hintern meiner Großmutter", bei "Sonne, Mond und Sternen" und den "Goldenen Äpfeln des Westens" und glauben, die Welt fest im Griff zu haben, doch der Schmuggel mit den berüchtigten Feenfrüchten lässt sich nicht unterbinden.
Wer davon kostet, verwandelt sich auf wundersame Weise, hängt wirrköpfigen Gedanken nach und stellt eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung dar.
Und nun soll ausgerechnet der Sohn von Nathan Hahnenkamm, dem Bürgermeister der Hauptstadt Lud-in-den-Nebeln, von dem skandalösen Obst genascht haben.
Doch damit nicht genug! Ein rothaariger Tanzlehrer verführt die jungen Damen aus Fräulein Holzapfels Höhere Töchterschule zu haltloser Ekstase und Tänzen im Mondschein. Wie von Zauberhand geführt, springen sie bald darauf über die Hügel und verschwinden im Feenland. Dorimare droht im Chaos zu versinken. Was bleibt dem armen Bürgermeister übrig, als sein Bündel zu schnüren und die Verschwundenen zu suchen? Falls er jemals zurückkehrt, wird er nicht mehr der gleiche sein wie zuvor... |
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Besucherrezension von
Bluebell, 27. Dezember 2003 |
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"Der Freistaat Dorimare war ein
ausgesprochen kleines Land. Angesichts des Meers jedoch, das ihn im Süden
begrenzte, der Berge im Norden und Osten und einer fruchtbaren Ebene in
der Mitte, die von zwei Flüssen bewässert wurde, bot er innerhalb seiner
Grenzen eine beträchtliche landschaftliche Vielfalt. Nach Westen wurde das
Erscheinungsbild des Landes - im Vergleich zur ländlichen Schlichtheit der
Ebene - wenn nicht gar tropisch, so doch auf jeden Fall äußerst exotisch.
Das war vielleicht auch nicht weiter erstaunlich, denn jenseits der
Umstrittenen Hügel (der Westgrenze von Dorimare) lag das Feenland. Beide
Länder unterhielten allerdings seit vielen Jahrhunderten keine Beziehungen
mehr."
So beginnt "Flucht ins Feenland".
Der Bruch zwischen den beiden Ländern ist so vollständig, dass der Name
des Landes "jenseits der Hügel" in Dorimare nie ausgesprochen wird. Das
schlimmste Schimpfwort in Dorimare ist "Sohn einer Fee". Das schlimmste
Verbrechen, das man begehen kann, ist der Verzehr von Feenfrüchten.
Dennoch können sich jene, denen es danach verlangt, jederzeit Feenfrüchte
beschaffen. Zu Beginn des Romans werden gerade welche nach
Lud-in-den-Nebeln geschmuggelt und den Kindern der Stadt untergejubelt.
Die Auswirkungen der Feenfrüchte: Wahnsinn, Selbstmord und Tod.
Im Nachwort heißt es sehr treffend: "Das Buch beginnt als Reisebericht
oder als historischer Roman, wird zu einer Pastorale, einem Schwank, einer
Gesellschaftskomödie, einer Geistergeschichte und dann zu einer
Detektivgeschichte. Und dennoch handelt es sich hier nicht um krude
zusammengeschusterte Einzelteile, sondern um die ineinander verwobenen
Stränge einer einzigen gewundenen Erzählung." Und in deren Mittelpunkt
steht die Entwicklung des spießbürgerlichen Meisters Nathan Hahnenkamm,
der im Laufe der Geschichte vom nicht besonders sympathischen Antihelden
zu einer starken, beeindruckenden Persönlichkeit heranreift.
Hope Mirrlees gab ihren Hauptfiguren phantasievolle Namen á la Ehrenpreis
Holzapfel, Krittel Grabunkel, Nelkenwurz Frivolière, Traumliebchen oder
Liliengold. Die Handlung spielt an so romantischen Orten wie Faltergrün,
Mondgras, Schwan-an-der-Scheck und den Elfenmarken.
Sehr angetan war ich außerdem von der (kurzen) Einleitung von Neil Gaiman,
und ganz besonders vom rund 70-seitigen Nachwort von Michael Swanwick. Man
erfährt sehr viel über die Autorin selbst sowie über
Interpretationsmöglichkeiten und die tieferen Schichten dieses Romans.
Auch die Aufmachung des Buches (Hardcover) ist sehr gelungen. Vom hübschen
Umschlag einmal abgesehen, schimmert der Buchdeckel selbst perlmuttfarben
und ist mit einem Band als Lesezeichen versehen.
Alles in allem kann ich sagen, dass sich die Anschaffung für mich auf
jeden Fall gelohnt hat. Ich kann leider keine Parallelen ziehen, wie "wenn
Ihnen XY gefallen hat, mögen Sie auch Flucht ins Feenland", weil ich
bisher noch nichts Vergleichbares kennen gelernt habe. Wer aber neugierig
auf anspruchsvolle Fantasy der etwas anderen Art ist und auch vor
teilweise leicht archaischer, blumiger Sprache nicht zurückschreckt [oder
wie ich vielleicht sogar eine Vorliebe dafür hat ;-)], für den gilt:
LESEN!
Abschließend noch eine weitere kleine Kostprobe:
"Ihr verfügt über Phantasie? So ist es für Euch stets ein Abenteuer,
einen Laubengang entlangzuspazieren. Ihr betretet ihn kühnen Schritts,
doch bald wünscht Ihr Euch, Ihr wäret draußen geblieben - es ist keine
Luft, die Ihr hier atmet, es ist Schweigen, das fast greifbare Schweigen
der Bäume. Und die kleine runde Öffnung in der Ferne soll der einzige
Ausgang sein? Ach, es wird Euch nie gelingen, Euch dort hindurchzuzwängen!
Ihr müßt umkehren... zu spät! Die breite Pforte, durch die Ihr eingetreten
seid, ist ebenfalls zu einer kleinen runden Öffnung zusammengeschrumpft."
Das Ende allerdings ist zum Glück nicht so vorhersehbar. Das hat einiges
wieder wett gemacht.
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Weitere Informationen
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