Buchstaben-Salat-Rezension:
"Paladin der Seelen" eine Art Fortsetzung zu "Chalion", lässt sich
aber eventuell auch ohne das Vorwissen aus dem Vorgänger lesen (dazu
später mehr). Drei Jahre sind seit den Ereignissen in "Chalion"
vergangen und Königsmutter Ista dy Boacia ist mit der Aufhebung des
Familienfluchs aus ihrem Wahnsinn erwacht. Nun weiß sie nichts
rechtes mit sich anzufangen, hat aber das dringende Bedürfnis, dem
einsamen Familiensitz mitsamt überfürsorglichem Hofstaat zu
entkommen. Kurz entschlossen begibt sie sich auf eine Pilgerfahrt -
und kommt auf eine Weise mit den Göttern in Kontakt, wie sie es sich
wohl nicht hätte träumen lassen.
Ista ist eine wirklich ungewöhnlich
Heldin und trägt einen Großteil zum Reiz dieses Buches bei. Die etwa
40jährige Witwe ist zwar kein junger Hüpfer mehr, fühlt sich aber
von ihren altbackenen Hofdamen und dem strengen Regiment ihres
Hofmarschalls eingeengt und ist ratlos, was sie mit dem Rest ihres
Lebens anfangen soll. Das Schicksal, das Bujold für Ista ersonnen
hat, kristallisiert sich erst im späteren Verlauf der Geschichte
heraus - zunächst bleibt der Leser seiner eigenen Phantasie
überlassen und kann wunderbar spekulieren. Nach einem recht
langweiligen Anfang - dafür der Punktabzug - erlebt Ista endlich ein
erstes Abenteuer und kurz darauf reiht sich eines an das nächste.
Die Handlung nimmt nach rund 1/4 des Buches rasch an Fahrt auf und
steigert ihr Tempo bis zum Ende hin immer mehr.
Eingangs dieser Rezension habe ich
erwähnt, dass man "Paladin der Seelen" eventuell auch ohne das
Vorwissen aus "Chalion" lesen kann. Die Geschichte ist doch recht
unabhängig von den vorangegangenen Ereignissen. Ich selbst konnte
mich an vieles nicht mehr erinnern und die kurzen Bemerkungen bzw.
indirekten Rückblenden durch Erzählungen Istas fand ich wenig
hilfreich. Die beiden Bücher können meiner Meinung nach von der
Handlung her als eigenständig angesehen werden, in den richtigen
Genuss der Welt von Chalion kommt man allerdings erst, wenn man
beide liest. Und der schöne Schreibstil Bujolds, sowie ihr
wunderbarer Humor sind die Aufmerksamkeit allemal wert!
Gegen Ende wird die Geschichte
relativ kompliziert und für mich als Originalleser etwas schwer
nachvollziehbar. Bujolds Gedankengänge sind zwar schlüssig,
teilweise aber auch recht abstrakt. Ich kann allerdings nur von
meinen Problemchen mit der englischen Ausgabe berichten, vielleicht
sind die Vorgänge in der deutschen Übersetzung ja etwas besser
nachzuvollziehen.
Alles in allem ist "Paladin der
Seelen" ein originelles, humorvolles Buch. Die in sich
abgeschlossene Geschichte besitzt vieles, was das Fantasy-Herz
begehrt: Magie, Kampf, Abenteuer, eindrucksvolle und sorgfältig
ausgearbeitete Charaktere und sogar einen kleinen Schuss Liebe.
Kurzum: Lesen!