Buchstaben-Salat-Rezension:
In einer Gesellschaft, in der Menschen mit körperlichen
Gebrechen als nutzlos angesehen und mit schlimmen Schmähworten
bedacht werden, wächst der junge Miles Naismith-Vorkosigan auf. Der
Sohn des ehemaligen Regenten des Planeten Barrayar ist durch einen
Anschlag auf seine schwangere Mutter kleinwüchsig und mit äußerst
zerbrechlichen Knochen ausgestattet. Doch der Junge hat Biss und vor
allem eine ungewöhnliche Intelligenz, die den Leser schon nach den
ersten Seiten für ihn einnimmt.
Der große Reiz, den dieses Buch für
mich ausmacht, ist die Tatsache, dass es sich bei Miles eben nicht
um den typischen strahlenden Helden handelt, dem alles gelingt - und
sei es nur durch schiere Körperkraft. Schon ein Handgemenge stellt
für Miles ein ernsthaftes Problem dar und die Gefahr, durch einen
Knochenbruch für Wochen zur Unbeweglichkeit verdammt zu sein. Also
setzt er nicht seine Fäuste, sondern seinen cleveren Kopf als Waffe
ein, wenn er einmal in Schwierigkeiten gerät. Was ihm oft
passiert...
Mit viel Witz und abenteuerlichen
Episoden erzählt Lois McMaster Bujold das Leben ihres zähen kleinen
Helden. Dieses verläuft in recht ungewöhnlichen Bahnen, was Miles
nicht zuletzt seiner Abenteuerlust und seinem losen Mundwerk zu
verdanken hat. Wie ein roter Faden zieht sich eine Eigenschaft des
jungen Adeligen durch seine Erlebnisse: Er kann sich einfach nicht
unterordnen. Und gerät durch Vorwitz und Unternehmenslust in so
manches Abenteuer. Diese sind teilweise recht verwirrend, ich habe
nicht immer alle Verwicklungen durchblicken können (Miles erging es
da stellenweise aber nicht anders), doch gegen Ende lösen sich
selbst die vertracktesten Situationen noch irgendwie auf.
Mit Miles präsentiert McMaster Bujold
ihren Lesern eine wirklich liebenswerte Figur, deren Intelligenz und
Schlagfertigkeit zu ihren größten Vorzügen gehört. Gleichzeitig
konfrontiert sie den jungen Adeligen mit einer Welt, in der Menschen
wie er nur schwer Achtung erlangen können. Miles muss zwar nicht
gegen Windmühlen ankämpfen - denn die Gesellschaft Barrayars
befindet sich inzwischen im Umbruch - dennoch fällt ihm nichts in
den Schoß. Und genau das macht es so interessant, sein Leben zu
verfolgen.
Fazit: Bujolds Geschichten sind mehr
als die Weltraumabenteuer eines gebrechlichen Helden, denn sie
enthalten einige interessante Botschaften, zu Herzen gehende Szenen
und viel Humor!