Buchstaben-Salat-Rezension:
Profiler Tony Hill und Inspector Carol Jordan sind wieder auf Verbrecherjagd.
Dieses Mal treiben gleich zwei Verbrecher ihr Unwesen - ein Serienmörder, der es
auf Psychologen abgesehen hat und ein skrupelloser Geschäftsmann, der
Menschenhandel betreibt. Zu Beginn der Geschichte gibt es also mehrere
Handlungsfäden, die erst allmählich zusammengeführt werden.
Wie auch in den anderen Büchern McDermids, lässt
die Schriftstellerin den Leser in den Kopf des Serienmörders hineinblicken und
offenbart dessen Lebensgeschichte und Motive für seine brutalen Taten. Doch im
Gegensatz zu vorangegangenen Büchern, mangelt es McDermid dieses Mal an etwas am
gewohnten Geschick, die Jagd auf den Mörder darzustellen. Für meinen Geschmack
ist Hill ihm viel zu schnell auf der Spur, hat grandiose Geistesblitze und
überhaupt keine Zweifel, auf der richtigen Fährte zu sein. Unangenehm
aufgestoßen ist mir dies vor allem, weil ich als Leser ja schon wusste, wer
hinter den Morden steckt und aus welchen Beweggründen diese begangen wurden -
Hill braucht einfach viel zu wenig Zeit, um die vor dem Leser sorgfältig
ausgebreitete Hintergrundgeschichte des Serienmörders zu erahnen.
Und weiter gehen die Ungereimtheiten, die mich
wirklich überrascht haben. Das Buch ist ohne Zweifel spannend, doch begehen die
Routiniers Hill und Jordan einfach unglaubwürdige Fehler! Carol benimmt sich
über große Strecken äußerst perfekt und professionell und begeht dann einen sehr
dummen Fehler - hier scheint einfach die Absicht der Autorin, der Geschichte
eine dramatische Wendung zu geben, allzu stark durch - frei nach dem Motto:
Wirkung vor Logik. Es sind mir noch weitere logische Fehler aufgefallen, ohne
dass ich großartig danach fahnden musste und das lässt mich ein wenig verwirrt
zurück. Vielleicht ist McDermid der Plot mit gleich zwei Verbrechern ein wenig
über den Kopf gewachsen? Hierauf deutet auch der anfangs langsame Aufbau - bei
dem für mich im Nachhinein relativ unwichtige (obwohl spannend zu lesende)
Geschehnisse viel zu ausführlich erzählt wurden - der dann immer schneller wird
und schließlich zu einem fast hastigen Ende kommt.
Ein kalter Strom ist trotz meiner Kritik ein sehr
spannend zu lesendes Buch in bester Tradition der Autorin. Doch die vielen
Ungereimtheiten haben mich schon sehr überrascht und hinterlassen einen leicht
faden Nachgeschmack. Dennoch wird dies sicherlich nicht das letzte Buch gewesen
sein, dass ich über Tony Hill und Carol Jordan lesen möchte...