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Iny Lorentz


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Die Wanderhure




650 Seiten (HC), Verlagsgruppe Droemer Knaur
Genre: Historischer Roman

Bewertung (1-10):

"Marie schlüpfte schuldbewusst in die Küche zurück
und versuchte, unauffällig wieder an ihre Arbeit zu gehen."

Inhalt:
Konstanz im Jahre 1410: Als der Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückscheut. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das Mädchen zur Stadt hinaustreibt. Für Marie gibt es nur zwei Möglichkeiten: Selbstmord zu begehen oder ihr Leben fortan als Wanderhure zu fristen. Mit Hilfe der erfahrenen Dirne Hiltrud entscheidet sie sich für das Leben und wird bald zu einer begehrten "Hübschlerin". Dabei verliert Marie jedoch ihr wichtigstes Ziel nicht aus den Augen: Sie will sich an denen rächen, die sie ins Elend gestürzt haben...

Buchstaben-Salat-Rezension:
Einen ganzen Roman über eine Wanderhure? Na, geht denn das überhaupt? Das waren die Fragen, die mir in den Kopf schossen, als mir das Buch "Die Wanderhure" des Autorenduos Iny und Elmar Lorentz das erste Mal begegnete. Normalerweise liest man in historischen Romanen ja eher von Rittern, Königen und braven Kaufmannsleuten. Allenfalls von Wanderchirurgen - aber Wanderhuren? Mir war der Begriff zunächst vollkommen fremd, doch das sollte sich schnell ändern. "Die Wanderhure" erzählt die Geschichte der braven Bürgerstochter Marie, der großes Unrecht widerfährt und die schließlich dazu gezwungen ist, ihren Lebensunterhalt als umherreisende Hure zu verdienen. Dabei vergisst sie niemals diejenigen, die ihr dieses schwere Schicksal beschert haben...

In flüssiger und eindringlicher Sprache erzählt das Buch die Geschichte der jungen Marie - mal spannend, fröhlich und farbenfroh, mal traurig und bedrückend. Vor allem sensible Leser sollten sich auf einen Paukenschlag zu Beginn der Geschichte gefasst machen, der zwar detaillierte Beschreibungen ausspart, dennoch einige recht grausame Szenen erzählt. Diese Handlungselemente sind einerseits schwer zu lesen, andererseits für die Geschichte unbedingt notwendig - Marie wird schließlich nicht freiwillig zur Hure. Durchhalten lohnt sich aber, denn schon bald wird der Leser mit freundlicheren Szenen belohnt.

Das Buch weist einen selten abfallenden Spannungsbogen auf und wird von mir ganz eindeutig in die Kategorie "Page-Turner" eingeordnet. Eine ganze Anzahl von Charakteren spielt mit, doch verliert man nie den Überblick. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, lassen dennoch Raum für die eigene Phantasie. Vor allem die anderen "Hübschlerinnen" fand ich sehr gut gelungen. Durch sie erhält der Leser Einblick in eine historische Welt, die er bislang wohl nicht so gut kannte. Er erfährt, dass Huren im Mittelalter zum Bodensatz der Gesellschaft gehören und ihnen viel Unrecht und wenig Achtung widerfährt. Doch auch unter Hübschlerinnen gibt es noch Standesunterschiede, wie z.B. die Verachtung der "Pfennig-Huren" zeigt. Dennoch - ganz ohne Macht sind die Huren nicht, wie ein Ereignis gegen Ende des Buches beweist...

Alles in allem ein historischer Roman, wie er sein sollte! Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, informativ, ohne zu langweilen und mit liebenswerten und hassenswerten Figuren gleichermaßen ausgestattet.

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