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Iny Lorentz


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Die Goldhändlerin




515 Seiten (TB), Verlagsgruppe Droemer Knaur
Genre: Historischer Roman

Bewertung (1-10):

"Je näher sie ihrem Ziel kamen, umso stärker wirkten die Bäume rechts und links der Straße wie ein Spalier aus Dämonen, die jeden Moment erwachen und über die Reisenden herfallen konnten."

Inhalt:
Deutschland im Jahre 1485. Für die junge Jüdin Lea endet ein Jahr der Katastrophen, denn ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kamen bei einem Pogrom ums Leben. Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben und das ihrer Geschwister zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die "Samuel" unbedingt verheiraten wollen. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet...

Buchstaben-Salat-Rezension:
Die jüdische Goldhändlertochter Lea übersteht nur knapp ein Pogrom, bei dem ihr Vater und älterer Bruder Samuel getötet werden. Mit großer Mühe gelingt es dem jungen Mädchen, ihren schwer verletzten Bruder Elieser - nun das Familienoberhaupt - und ihre jüngere Schwester Rachel in Sicherheit zu bringen. Da Elieser zu krank ist, um die Geschäfte seines Vaters als Hoffaktor des Markgrafen Ernst Ludwig von Hartenburg weiterführen zu können, verkleidet sich Lea und gibt sich als ihr Bruder Samuel aus. Die Täuschung gelingt und fortan sieht sich die junge Jüdin nicht nur mit einer Männer- und Handelswelt konfrontiert, sondern bei ihren Reisen auch verstärkt den Übergriffen der christlichen Bevölkerung ausgesetzt, die den angeblichen "Christusmördern" meist feindlich gesonnen sind.

Der Beginn der Geschichte erinnerte mich stark an Iny Lorentz "Die Wanderhure", da auch dort ein plötzlicher Schicksalsschlag das Leben einer jungen Frau dramatisch verändert und sie vor die schwere Aufgabe stellt, sich ganz allein durchs Leben zu schlagen. Trotz anfänglicher Parallelen entwickelte sich "Die Goldhändlerin" doch in eine ganz andere Richtung, denn Lea muss nicht nur für sich, sondern auch für ihre Geschwister und Angestellten sorgen - und das nicht etwas mit körperlichen Reizen, sondern mit Intelligenz und geschäftlicher Raffinesse. Dabei wird sie immer von der Angst begleitet, dass ihre Verkleidung auffliegt und sie als Frau erkannt wird - für eine Jüdin ist es eine schlimme Sünde, sich als Mann auszugeben.

Das Buch liest sich locker, leicht und weist nur wenige Längen auf. Abwechslung bringt vor allem die interessante Figur des undurchsichtigen Handelsagenten Roland Fischkopf alias Orlando Terasa de Quereda y Cunjol - ein Name, der ebenso bunt und sympathisch ist, wie der Mann selbst. Diesem Urteil wird Lea allerdings zunächst nicht zustimmen, denn auch wenn Orlando sie des Öfteren aus brenzligen Situationen rettet, hat sie so ihre Probleme mit seiner frechen, unberechenbaren Art. Neben den interessanten Figuren sorgt auch ein geographischer Wechsel von Deutschland nach Spanien dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Dort trifft Lea sogar auf eine historische Persönlichkeit, die jedem von uns ein Begriff sein sollte...

Insgesamt hat mir zwar "Die Wanderhure" besser gefallen, doch das ist sicherlich Geschmacksache. Für Liebhaber historischer Romane, die einmal eine Geschichte lesen möchten, die nicht wie so oft in England spielt, sicherlich ein heißer Tipp. Einen weiteren Pluspunkt stellt der Epilog dar, in welchem das Autorenpaar, das sich hinter Iny Lorentz verbirgt, aufdeckt, welche Aspekte der Handlung erfunden und welche der tatsächlichen Historie entnommen sind.

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