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Inhalt:
Es ist Zufall, dass Joan Lackland und David Scheldon sich begegnen und einander nicht gleich wieder aus dem Weg gehen können. Leider harmonieren sie miteinander wie heißes Öl und Wasser. Doch Scheldon liegt fieberkrank auf seiner Plantage, sein Teilhaber ist tot und die schwarzen Arbeiter stehen kurz vor dem Aufstand. Joan landet schiffsbrüchig auf Berande und übernimmt kurzerhand das Kommando bis zu Davids
Genesung. Dass sie trotz ihrer Differenzen Geschäftspartner werden, entsteht aus beidseitiger Notwendigkeit. Berande wird erst in zwei Jahren Erträge einfahren, doch Scheldon wird vorher das Geld ausgehen, so dass er drauf und dran ist, die Plantage aufzugeben. Joan Lackland hat Geld, doch nicht genug, um eine Pflanzung neu aufzubauen und jahrelang durchzuhalten. |
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Besucherrezension von
Anna, 31. Dezember 2003 |
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Niemandem gelingt es so meisterhaft, ein tiefsinniges Buch als
Abenteuerroman zu tarnen, wie Jack London. Im Original heißt dieser Roman
"Adventure", und doch ist die äußere Handlung nur der Hintergrund für
diesen Entwicklungsroman.
Es ist Zufall, dass Joan Lackland und David Scheldon sich begegnen und
einander nicht gleich wieder aus dem Weg gehen können. Leider harmonieren
sie miteinander wie heißes Öl und Wasser. Doch Scheldon liegt fieberkrank
auf seiner Plantage, sein Teilhaber ist tot und die schwarzen Arbeiter
stehen kurz vor dem Aufstand. Joan landet schiffsbrüchig auf Berande und
übernimmt kurzerhand das Kommando bis zu Davids Genesung. Dass sie trotz
ihrer Differenzen Geschäftspartner werden, entsteht aus beidseitiger
Notwendigkeit. Berande wird erst in zwei Jahren Erträge einfahren, doch
Scheldon wird vorher das Geld ausgehen, so dass er drauf und dran ist, die
Plantage aufzugeben. Joan Lackland hat Geld, doch nicht genug, um eine
Pflanzung neu aufzubauen und jahrelang durchzuhalten.
Doch dass die beiden einander lieben lernen, ist das Ergebnis eines
Lernprozesses auf beiden Seiten. Dabei geht es um mehr als um Liebe. Die
Themen sind Respekt und Freundschaft, Freiheit und Gleichberechtigung
nicht nur zwischen Frau und Mann, sondern auch zwischen Schwarz und Weiß.
Anfangs ist Scheldon für Joan der "typische Herrenmensch". Seine Arbeiter
(die Arbeitsverträge haben) behandelt er wie Sklaven und Joan wie ein
dummes kleines Mädchen, das er beschützen muss. Joan ist für ihn ein
unnatürliches Wesen, eine Frau mit dem Herzen eines Knaben und noch dazu
trotzig und weltfremd. Erst als Joan auf eigene Faust ein gestrandetes
Schiff kauft, wieder flott macht, an einer allseits gefürchteten Küste
auch noch hundertfünfzig Kannibalen für die Plantage anwirbt und Scheldon
sich aus dem Mund harter Seebären das Lob dieser Frau anhören muss,
begreift er, was für einen wertvollen Teilhaber er gewonnen hat.
Sein anfänglicher Widerwillen gegen Joans Doppelnatur als
abenteuerlustiger Knabe und zarte Frau legt sich und macht der Faszination
Platz. David lernt, ihr zu vertrauen wie einem männlichen Partner. Und er
lernt anhand Joans tahitianischer Schiffsmannschaft, dass man auch
Schwarzen etwas zutrauen kann. Dass sie als Partner unschätzbar wertvoller
sind denn als Sklaven.
Joan wiederum muss sich ebenfalls daran gewöhnen, dass sie trotz ihrer
Jungenhaftigkeit eine Frau ist und sein darf. Eine Frau zu sein bedeutet
nicht sofort, sich unter die Herrschaft eines Mannes zu begeben. Doch die
Veränderung geschieht nicht ohne Rückschläge. Joans Versuche, die
Plantagenarbeiter mit Respekt zu behandeln, führen zu Situationen, aus
denen sie sich nur mit der Waffe retten kann. Fehler der Vergangenheit
lassen sich nicht rückgängig machen, Vertrauen ist nicht leicht
aufzubauen.
Ganz deutlich werden die Fortschritte der beiden erst als eine alte
Situation erneut entsteht (wieder ein Aufstand) und andererseits die
äußeren Umstände sich ändern (Tudor kommt ins Spiel und damit die
Eifersucht). War Scheldon im ersten Kapitel noch allein mit seinen Waffen
gegen zweihundert Mann gestanden, die sich über Stammesgrenzen hinweg
gegen den verhassten Weißen verbündet hatten, so steht beim nächsten
Aufstand nicht nur Joan an seiner Seite, sondern auch ihre Tahitianer
sowie die Kannibalen, die sie für die Plantagenarbeit angeworben und fair
behandelt hatte.
Scheldons Eifersucht auf Tudor quält ihn, doch er handelt souverän. Joan
gehört ihm nicht, und wenn sie auf diesen Blender herein fällt, hat er
sich wohl in ihr geirrt. Joan durchschaut, wem sie vertrauen kann, aber
erst durch den Vergleich lernt sie Davids sachliche Kaltblütigkeit zu
schätzen als Zuverlässigkeit. Und so wird sie auch nicht das Opfer der
Verführungskünste von Tudor, einem charmanten Abenteurer, der sie
fasziniert, aber wie eine gewöhnliche Frau behandelt. Nur Scheldon hat
begriffen, wie ein Mann Joan gewinnen kann: Ein einziges Mal von der Liebe
zu sprechen und den Rest ihr zu überlassen.
Der Roman ist in Jack Londons bewährt
schlichtem Stil geschrieben, meisterhaft die Spannungsführung und die
Entwicklung der Charaktere absolut glaubwürdig. Was die Authentizität der
Kulisse, von Zeit und Ort angeht, können wir Jack London als Augenzeuge
vertrauen, der diese Epoche der Kolonisation der Südsee noch selbst
miterlebte.
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Weitere Informationen
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