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Jack London


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Die Insel Berande
Adventure




173 Seiten (TB), dtv
Genre: Belletristik - Klassiker

Besucherrezi vorhanden

 

 

Inhalt:
Es ist Zufall, dass Joan Lackland und David Scheldon sich begegnen und einander nicht gleich wieder aus dem Weg gehen können. Leider harmonieren sie miteinander wie heißes Öl und Wasser. Doch Scheldon liegt fieberkrank auf seiner Plantage, sein Teilhaber ist tot und die schwarzen Arbeiter stehen kurz vor dem Aufstand. Joan landet schiffsbrüchig auf Berande und übernimmt kurzerhand das Kommando bis zu Davids Genesung. Dass sie trotz ihrer Differenzen Geschäftspartner werden, entsteht aus beidseitiger Notwendigkeit. Berande wird erst in zwei Jahren Erträge einfahren, doch Scheldon wird vorher das Geld ausgehen, so dass er drauf und dran ist, die Plantage aufzugeben. Joan Lackland hat Geld, doch nicht genug, um eine Pflanzung neu aufzubauen und jahrelang durchzuhalten.

Besucherrezension von Anna, 31. Dezember 2003

Niemandem gelingt es so meisterhaft, ein tiefsinniges Buch als Abenteuerroman zu tarnen, wie Jack London. Im Original heißt dieser Roman "Adventure", und doch ist die äußere Handlung nur der Hintergrund für diesen Entwicklungsroman.

Es ist Zufall, dass Joan Lackland und David Scheldon sich begegnen und einander nicht gleich wieder aus dem Weg gehen können. Leider harmonieren sie miteinander wie heißes Öl und Wasser. Doch Scheldon liegt fieberkrank auf seiner Plantage, sein Teilhaber ist tot und die schwarzen Arbeiter stehen kurz vor dem Aufstand. Joan landet schiffsbrüchig auf Berande und übernimmt kurzerhand das Kommando bis zu Davids Genesung. Dass sie trotz ihrer Differenzen Geschäftspartner werden, entsteht aus beidseitiger Notwendigkeit. Berande wird erst in zwei Jahren Erträge einfahren, doch Scheldon wird vorher das Geld ausgehen, so dass er drauf und dran ist, die Plantage aufzugeben. Joan Lackland hat Geld, doch nicht genug, um eine Pflanzung  neu aufzubauen und jahrelang durchzuhalten.

Doch dass die beiden einander lieben lernen, ist das Ergebnis eines Lernprozesses auf beiden Seiten. Dabei geht es um mehr als um Liebe. Die Themen sind Respekt und Freundschaft, Freiheit und Gleichberechtigung nicht nur zwischen Frau und Mann, sondern auch zwischen Schwarz und Weiß.

Anfangs ist Scheldon für Joan der "typische Herrenmensch". Seine Arbeiter (die Arbeitsverträge haben) behandelt er wie Sklaven und Joan wie ein dummes kleines Mädchen, das er beschützen muss. Joan ist für ihn ein unnatürliches Wesen, eine Frau mit dem Herzen eines Knaben und noch dazu trotzig und weltfremd. Erst als Joan auf eigene Faust ein gestrandetes Schiff kauft, wieder flott macht, an einer allseits gefürchteten Küste auch noch hundertfünfzig Kannibalen für die Plantage anwirbt und Scheldon sich aus dem Mund harter Seebären das Lob dieser Frau anhören muss, begreift er, was für einen wertvollen Teilhaber er gewonnen hat.

Sein anfänglicher Widerwillen gegen Joans Doppelnatur als abenteuerlustiger Knabe und zarte Frau legt sich und macht der Faszination Platz. David lernt, ihr zu vertrauen wie einem männlichen Partner. Und er lernt anhand Joans tahitianischer Schiffsmannschaft, dass man auch Schwarzen etwas zutrauen kann. Dass sie als Partner unschätzbar wertvoller sind denn als Sklaven.

Joan wiederum muss sich ebenfalls daran gewöhnen, dass sie trotz ihrer Jungenhaftigkeit eine Frau ist und sein darf. Eine Frau zu sein bedeutet nicht sofort, sich unter die Herrschaft eines Mannes zu begeben. Doch die Veränderung geschieht nicht ohne Rückschläge. Joans Versuche, die Plantagenarbeiter mit Respekt zu behandeln, führen zu Situationen, aus denen sie sich nur mit der Waffe retten kann. Fehler der Vergangenheit lassen sich nicht rückgängig machen, Vertrauen ist nicht leicht aufzubauen.

Ganz deutlich werden die Fortschritte der beiden erst als eine alte Situation erneut entsteht (wieder ein Aufstand) und andererseits die äußeren Umstände sich ändern (Tudor kommt ins Spiel und damit die Eifersucht). War Scheldon im ersten Kapitel noch allein mit seinen Waffen gegen zweihundert Mann gestanden, die sich über Stammesgrenzen hinweg gegen den verhassten Weißen verbündet hatten, so steht beim nächsten Aufstand nicht nur Joan an seiner Seite, sondern auch ihre Tahitianer sowie die Kannibalen, die sie für die Plantagenarbeit angeworben und fair behandelt hatte.

Scheldons Eifersucht auf Tudor quält ihn, doch er handelt souverän. Joan gehört ihm nicht, und wenn sie auf diesen Blender herein fällt, hat er sich wohl in ihr geirrt. Joan durchschaut, wem sie vertrauen kann, aber erst durch den Vergleich lernt sie Davids sachliche Kaltblütigkeit zu schätzen als Zuverlässigkeit. Und so wird sie auch nicht das Opfer der Verführungskünste von Tudor, einem charmanten Abenteurer, der sie fasziniert, aber wie eine gewöhnliche Frau behandelt. Nur Scheldon hat begriffen, wie ein Mann Joan gewinnen kann: Ein einziges Mal von der Liebe zu sprechen und den Rest ihr zu überlassen.

Der Roman ist in Jack Londons bewährt schlichtem Stil geschrieben, meisterhaft die Spannungsführung und die Entwicklung der Charaktere absolut glaubwürdig. Was die Authentizität der Kulisse, von Zeit und Ort angeht, können wir Jack London als Augenzeuge vertrauen, der diese Epoche der Kolonisation der Südsee noch selbst miterlebte. 

 

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