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Peter Lancaster

"Friedrich hasste die windschiefe ausgetretene Steintreppe."

Inhalt:
Eine Burg in Hessen zu Beginn der 80er Jahre. Sitz einer verschrobenen Adelsfamilie, deren jüngster Spross die fünfzehnjährige Eva ist. Mit dem Auftauchen merkwürdiger Wesen im Keller hält der Wahnsinn im Gemäuer Einzug. Eine scheinbar unendlich in die Tiefe reichende Treppe führt zurück ins Mittelalter - und noch weiter, tief in das Herz uralter Sagen, Mythen und Legenden.

Besucherrezension von Frank Drenkard, 17. Oktober 2004

Wie der Untertitel schon sagt, ist das kein abgeschlossener Roman, sondern der erste Teil von einem Zyklus. Das ist auch schon mein Hauptkritikpunkt: Warum müssen es in der Fantasy immer Fortsetzungsgeschichten sein, wo man Monate bis Jahre auf die Fortsetzung warten muss, und die Reihe dann entweder kein Ende findet oder irgendwann eingestellt wird, ohne dass die Handlung zu einem befriedigenden Ende gekommen wäre. Na gut, ich hab jetzt letztlich selber zugegriffen, obwohl ich weder vom Verlag noch vom Autor je was gehört habe. Wahrscheinlich, weil mich das äußere Erscheinungsbild irgendwie angesprochen hat und der Preis von knapp 10 Euros für diesen Umfang in einem Kleinverlag schon geradezu beunruhigend fair ist. Vielleicht auch, weil ich selber aus der Gegend komme, in der die Handlung spielt.

Auf einer Burg in Hessen wohnt eine Grafenfamilie. Die Romanheldin Eva ist zu Beginn 15 und macht gerade eine Punk-Phase durch. Ihr Vater der Graf ist ein schräger Bastler, die Mutter löst Kreuzworträtsel und der Onkel ist ein Säufer. Eva hatte auch mal zwei Brüder, die sind aber gestorben. Und dann ist da noch Johann, der Hausmeister, der mit seinen trocken-geschwollenen Kommentaren die bedrückende Atmosphäre für den Leser etwas auflockert. In diese "Idylle" platzen, aus dem Weinkeller kommend, sprechende Pferde. Im Weinkeller ist nämlich eine Treppe, die führt zu einem Tor in eine andere Welt, das mich etwas an "Stargate" erinnert hat. Zuvor muss man jedoch durch ein kilometerlanges Höhlensystem wandern, an dessen Ende in einem ehemaligen Bergwerk Menschen siedeln, die entwicklungsmäßig im Mittelalter stehen geblieben sind. Das wiederum hat mich stark an "Unterland" von Hohlbein erinnert. Die sprechenden Pferde sind in dieser unterirdischen Welt sowas wie Sklaven, aber sie haben dieses Dasein satt.

Die Handlung spielt abwechselnd auf zwei Zeitebenen. Zum einen in der Gegenwart und zum anderen im Mittelalter, wo der Leser erfährt, wo die Ursprünge dieser unterirdischen Stadt liegen. In diesen Passagen ist der Romanheld Wilhelm, ein Vorfahre von Eva und Co., der in Prag ein Medizinstudium beginnt und dann Alchimist wird.

So, mehr will ich nicht vom Inhalt verraten. Der Stil ist sehr flüssig und fehlerarm (aber nicht, dass ich keine gefunden hätte), und obwohl ziemlich viel passiert und alles mit allem zusammenhängt, habe ich zu keinem Zeitpunkt den Überblick verloren. In der Gegenwart wird überwiegend aus Evas Perspektive erzählt, im Mittelalter aus der von Wilhelm. An einigen Stellen wird es gruselig, an anderen habe ich mir vor Lachen auf die Schenkel geklopft. Gewalt gibt es weder zuviel noch zuwenig, und drei (kurze) Sexszenen gibt es auch, wenn ich richtig gezählt habe.

Wenn die angekündigten Folgebände auch wirklich zur angekündigten Zeit rauskommen (man hat ja mit einigen Verlagen schon so seine Erfahrungen gemacht, leider) hole ich sie mir auf jeden Fall.

 

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