Wie der
Untertitel schon sagt, ist das kein abgeschlossener Roman, sondern der erste
Teil von einem Zyklus. Das ist auch schon mein Hauptkritikpunkt: Warum müssen es
in der Fantasy immer Fortsetzungsgeschichten sein, wo man Monate bis Jahre auf
die Fortsetzung warten muss, und die Reihe dann entweder kein Ende findet oder
irgendwann eingestellt wird, ohne dass die Handlung zu einem befriedigenden Ende
gekommen wäre. Na gut, ich hab jetzt letztlich selber zugegriffen, obwohl ich
weder vom Verlag noch vom Autor je was gehört habe. Wahrscheinlich, weil mich
das äußere Erscheinungsbild irgendwie angesprochen hat und der Preis von knapp
10 Euros für diesen Umfang in einem Kleinverlag schon geradezu beunruhigend fair
ist. Vielleicht auch, weil ich selber aus der Gegend komme, in der die Handlung
spielt.
Auf einer Burg in Hessen wohnt
eine Grafenfamilie. Die Romanheldin Eva ist zu Beginn 15 und macht gerade eine
Punk-Phase durch. Ihr Vater der Graf ist ein schräger Bastler, die Mutter löst
Kreuzworträtsel und der Onkel ist ein Säufer. Eva hatte auch mal zwei Brüder,
die sind aber gestorben. Und dann ist da noch Johann, der Hausmeister, der mit
seinen trocken-geschwollenen Kommentaren die bedrückende Atmosphäre für den
Leser etwas auflockert. In diese "Idylle" platzen, aus dem Weinkeller kommend,
sprechende Pferde. Im Weinkeller ist nämlich eine Treppe, die führt zu einem Tor
in eine andere Welt, das mich etwas an "Stargate" erinnert hat. Zuvor muss man
jedoch durch ein kilometerlanges Höhlensystem wandern, an dessen Ende in einem
ehemaligen Bergwerk Menschen siedeln, die entwicklungsmäßig im Mittelalter stehen geblieben sind. Das wiederum hat
mich stark an "Unterland" von Hohlbein erinnert. Die sprechenden Pferde sind in
dieser unterirdischen Welt sowas wie Sklaven, aber sie haben dieses Dasein satt.
Die Handlung spielt abwechselnd auf zwei
Zeitebenen. Zum einen in der Gegenwart und zum anderen im Mittelalter, wo der
Leser erfährt, wo die Ursprünge dieser unterirdischen Stadt liegen. In diesen
Passagen ist der Romanheld Wilhelm, ein Vorfahre von Eva und Co., der in Prag
ein Medizinstudium beginnt und dann Alchimist wird.
So, mehr will ich nicht vom
Inhalt verraten. Der Stil ist sehr flüssig und fehlerarm (aber nicht, dass ich
keine gefunden hätte), und obwohl ziemlich viel passiert und alles mit allem
zusammenhängt, habe ich zu keinem Zeitpunkt den Überblick verloren. In der
Gegenwart wird überwiegend aus Evas Perspektive erzählt, im Mittelalter aus der
von Wilhelm. An einigen Stellen wird es gruselig, an anderen habe ich mir vor
Lachen auf die Schenkel geklopft. Gewalt gibt es weder zuviel noch zuwenig, und
drei (kurze) Sexszenen gibt es auch, wenn ich richtig gezählt habe.
Wenn die angekündigten Folgebände auch
wirklich zur angekündigten Zeit rauskommen (man hat ja mit einigen Verlagen
schon so seine Erfahrungen gemacht, leider) hole ich sie mir auf jeden Fall.