Buchstaben-Salat-Rezension:
Warum habe ich eigentlich den anderen Büchern dieser Reihe nicht die
Höchstnote gegeben? Ein wenig traurig habe ich die letzten Seiten
des mittlerweile vierten Teils in der Reihe um Becky-Bloomwood
gelesen und nur eine vage Hoffnung, dass es vielleicht noch einen
fünften geben wird. Kinsella hat die Reihe mit diesem Buch einfach
zu einem schönen Ende geführt, zu dem ich mir höchstens in einem
Punkt eine Fortsetzung vorstellen könnte, aber ich möchte nicht
spoilern.
Darf man über psychisch Kranke
lachen? Im Fall von Becky bleibt dem Leser einfach nichts anderes
übrig, denn wie schon in den Bänden eins bis drei manövriert sie
sich von einer unmöglichen Situation in die nächst schlimmere.
Tendenz steigend. Und dabei fängt doch alles so friedlich an, Becky
lernt auf ihrer fast einjährigen (!) Hochzeitsreise mit Ehemann Luke
sogar Yoga - natürlich auf ihre eigene Art. Doch die Ruhe täuscht,
denn kaum zu Hause angekommen, holen Becky und Luke die
Flitterwochen wieder ein - in Form von Unmengen an Souvenirs
(zwanzig chinesische Seidenmäntel sollte doch jeder einfach im Haus
haben), die der frisch vermählte Shopaholic sich nach Hause hat
schicken lassen.
Bis hierhin verläuft Beckys Leben in
gewohnt chaotischen Bahnen, doch der Twist, den sich Kinsella für
dieses vierte Buch ausgedacht hat, wirkt zwar auf den ersten Blick
ein wenig weit hergeholt, beschert dem Leser aber ein äußerst
reizvolles Szenario: Der kauffreudigen Becky wird von ihren Eltern
eröffnet, dass sie eine Halbschwester hat. Dies könnte an sich ein
freudiges Ereignis und Grund für eine ausschweifende Kauforgie
darstellen, doch zu Beckys größtem Entsetzen stellt sich heraus,
dass ihre neue Schwester ein absoluter Geizkragen ist. Nach kurzem
Schock fühlt sich der Shopaholic an der Ehre und beim Ehrgeiz
gepackt und versucht alles Mögliche, um dem neuen Familienmitglied
ihre große Leidenschaft näher zu bringen.
Kinsella erzählt die Geschichte mit
gewohnt lockerem Witz und immer absurder werdenden Situationen, die
aufgrund von Beckys einmaligem (zumindest hoffe ich dies für alle
Kreditinstitute) Charakter gar nicht mal so unglaubwürdig wirken.
Doch wie schon im ersten Band klangen für mich auch ernste Töne an,
denn bei allem Humor hat Becky wirklich ernsthafte Probleme: Nicht
nur Geldsorgen plagen sie, auch eine ungesunde Portion
Selbstverleugnung macht ihr das Leben schwer. Doch Becky wäre nicht
Becky, wenn sie sich nicht mit Charme, Einfallsreichtum und etwas
Glück aus den diversen Schlamasseln befreien könnte. Wenn sie doch
nur aus ihren Fehlern lernen würde...
Fazit: Man selbst muss nicht
unbedingt selbst zur Spezies Shopaholic gehören, um mit Becky
Bloomwood Spaß zu haben. Ihr manchmal zwar oberflächlicher, dennoch
liebenswerter Charakter und die vielen witzigen Situationen, die ihr
das Leben, aber vor allem sie selbst sich beschert machen diese
Reihe zu einer meiner Lieblingsserien. Hoffentlich ist sie mit
diesem Buch doch noch nicht zu Ende, auch wenn Kinsella dem Leser
ein relativ rundes Ende beschert.