Buchstaben-Salat-Rezension:
Endlich bin auch ich dazu gekommen, fast schon den
Klassiker der Afrika-Erlebnisberichte, nämlich "Die weiße Massai" zu
lesen. Wie bei Werken dieses Genres zu erwarten, ist der Sprachstil
eher holprig und unausgefeilt. Dennoch lässt sich die abenteuerliche
Geschichte der Schweizerin Corinne Hofmann flüssig lesen. Bei einem
Afrika-Urlaub lernt die 27jährige den Massai-Krieger Lketinga kennen
und verliebt sich Hals über Kopf. Was bei anderen Urlauberinnen
allerhöchstens in einem Flirt oder einer Affäre geendet hätte, wird
bei Corinne zur wahren Besessenheit. Bereits nach kurzer
Kennenlernphase ist sie bereit, ihre gesicherte Existenz in der
Schweiz aufzugeben und zu ihrem Krieger in den afrikanischen Busch
zu ziehen.
Was dann folgt, sind kurze Phasen des
Glücks, stetig unterbrochen von mittleren bis großen Katastrophen.
Die Liebe zu Lketinga und seinem Land muss bei Corinne wirklich groß
(und teilweise blind) gewesen sein, denn die junge Frau lässt sich
auf ihrem ungewöhnlichen Lebensweg nicht beirren. Ein wenig zu kurz
gekommen sind mir kulturelle Hintergründe des Samburu-Stammes, denn
bis auf wenige Ausnahmen beschreibt die Schweizerin lediglich das
alltägliche Leben, das stark von ihren eigenen Emotionen und
Wahrnehmungen geprägt ist und die Beweggründe der Afrikaner nur
ansatzweise vermitteln kann. Was mir vollkommen unverständlich
erscheint, ist dass die junge Frau auch nach vier Jahren die Sprache
ihres Mannes kaum versteht und selbst die Unterhaltungen auf
Englisch äußerst lückenhaft und den großen Problemen des Ehepaares
gegenüber nicht gerade förderlich sind.
Insgesamt ist "Die weiße Massai" ein
typischer Erlebnisbericht, der durch interessante und spannende
Ereignisse punktet, im sprachlichen Bereich allerdings Mängel
aufzuweisen hat. Wer über holprige, stilistisch eher Schwache
Sprache hinwegsehen kann, dem ist mit diesem Buch ein kurzweiliges
Lesevergnügen beschert.