Grimms Märchen einmal ganz anders. Der Autor
hat sich überlegt, wie es wohl wäre, wenn die Märchen von den Gebr. Grimm
nicht niedergeschrieben, sondern weiter von Mund zu Mund getragen worden
wären. Heraus gekommen ist dabei schwarzer Humor der Extraklasse. Die
bekannten Figuren vom Froschkönig bis zu den Bremer Stadtmusikanten kann
man zwar noch erahnen, doch haben sie mit ihren Ursprung kaum noch was
gemein.
Wie das Cover schon
andeutet, ist das „selten blöde Märchenbuch“
nichts für zarte Gemüter. Themen wie Gewalt, Sex und Drogen fließen ebenso
in die Märchen mit ein, wie die Kirche, Wirtschaft und Politik. Alles in
einem rasantem Tempo, das man die ein oder andere Stelle zweimal lesen
muss um wirklich keinen Gag oder Anspielung auf heutige Zeitgenossen zu
überlesen. Das Zitat auf der Rückseite, wie auch die Altersbeschränkung
sind nicht nur amüsant, sondern auch durchaus sinnvoll und angebracht. Das Buch an sich kann man nur als rundum
gelungen bezeichnen. Das Titelbild und die Illustrationen von P. M.
Hoffmann runden das Gesamtwerk optisch ab. Besonders gelungen sind die
Illustrationen einiger prominenter Zeitgenossen, aber auch die restlichen
Bilder vermitteln einem den Eindruck, Hoffmann zeichnet wie Hemmerling
schreibt.
Fazit:
Wer mit schwarzen Humor kein Problem hat, sollte sich René Hemmerling’s
zweites Buch nicht entgehen lassen. Seinen unverkennbaren Schreibstil, den
man am ehesten noch mit dem Humor der Monty Python Truppe oder Douglas
Adams vergleichen kann, ist er auch hier treugeblieben. „Ein
selten blödes Märchenbuch“, platzt förmlich vor Unterhaltung aus allen
Nähten. Es gibt nicht viele Bücher, bei denen ich laut gelacht habe, aber
dieses gehört dazu. Ich kann das Buch nur jedem wärmstens ans Herz legen,
nur bitte nicht den Kindern vorlesen.