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Tess Gerritsen


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Der Meister
The Apprentice
  (2)


Teil 2, Jane-Rizzoli-Reihe
420 Seiten (HC), Verlagsgruppe Randomhouse
Genre: Medical Thriller

Bewertung (1-10):



 

"Already the flies were swarming."

Inhalt:
Der Chirurg, immer wieder der Chirurg. Vieles an dem neuen Fall erinnert Detective Jane Rizzoli an die fürchterliche Mordserie in jenem heißen Sommer, der nun ein Jahr zurücklag. Noch heute wacht die Bostoner Polizistin, die damals an Leib und Seele Schaden nahm, nachts schreiend aus ihren Albträumen auf. Ließ nun ein Nachahmungstäter den Horror aufs Neue erstehen? Dr. Yeager musste, bevor sein Mörder ihm fachmännisch die Kehle durchschnitt, der Vergewaltigung seiner Frau zusehen. Das Verhaltensmuster des Chirurgen! Doch Warren Hoyt war längst verurteilt und saß streng bewacht in seinem Hochsicherheitstrakt - oder?

Buchstaben-Salat-Rezension:
Kaum ist der Chirurg - ein Serienmörder, der ganz Boston in Atem hielt - hinter Gittern, sieht sich Detective Jane Rizzoli mit einer neuen Mordserie konfrontiert. Dabei hat sie die schrecklichen Erlebnisse des letzten Sommers noch nicht verarbeitet und dass der neue Serienmörder ähnlich arbeitet, wie der Chirurg, trägt nicht dazu bei, ihr Seelenheil wiederherzustellen. War die toughe Jane Rizzoli in "Der Chirurg" neben dem sympathischen Detective Thomas Moore allenfalls Co-Star, steht sie in "Der Meister" im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Nicht nur der des Lesers, sondern auch der des inhaftierten Chirurgen, der geradezu von der Frau besessen ist, die ihn nicht nur gefasst hat, sondern die ihm gegenüber auch keine Angst gezeigt hat.

Rizzoli bleibt ihrer Linie aus Band 1 treu: Als weibliche Polizistin richtet sich ihr ganzes Streben danach, keine Schwäche zu zeigen und ihren männlichen Kollegen immer einen Schritt voraus zu sein. Geht es um ihren Job, brilliert sie meist - geht es um ihr Privatleben oder ganz allgemein ihr Selbstbild, dominieren Selbstzweifel. Dieses Muster zieht sich durch das gesamte Buch und wird fast übermäßig oft betont. Dass "Der Meister" nicht an das Spannungsniveau seines Vorgängers heranreichen kann, liegt zudem auch darin begründet, dass der Fall quälend langsam voranzugehen scheint. Stellenweise - gerade in der Mitte des Buches - dauert es einfach zu lange, bis eine weitere Entwicklung die Geschichte voranbringt.

Hinzu kommt, dass die Opfer des "Lehrlings" dem Leser unbekannt sind und nicht wie mit der Ärztin Cordell mit einer Hintergrundgeschichte versehen sind. Zudem bemüht Gerritsen mit dem FBI-Beamten Dean ein Klischée, das in vielen Thrillern zur Anwendung kommt. Ein Außenstehender mischt sich in die Ermittlungsarbeiten eines mehr oder weniger eingespielten Teams ein, bedroht Zuständigkeiten und das von Rizzoli mühsam aufrechterhaltene Machtgefüge. Irgendwo hat man das doch schon alles gelesen... Und auch eine sich lange Zeit ankündigende Liebesgeschichte wirkt zu vorhersehbar und wenig originell. Der überhastet wirkende Schluss, der zwar ein wenig Spannung in die bis dahin vor sich hindümpelnde Geschichte bringt, verschafft dem Buch nur ein halbwegs befriedigendes Ende. Mir erschien die Auflösung zu plötzlich und vor allem viel zu problemlos!

Insgesamt kann "Der Meister" kaum an Spannung und Originalität mit seinem Vorgänger mithalten. Zudem bin ich erneut der Meinung, dass die Übersetzung des Originaltitels "The Apprentice" in "Der Meister" falsch ist, da sich die Wahl des Titels bisher immer auf den im Mittelpunkt der Ermittlungen stehenden Serienmörder bezogen hat und hier ist dies eben nicht der Meister, sondern der Lehrling des Chirurgen aus dem ersten Band.

Zur englischen Ausgabe:
Nicht ganz so viele medizinische Fachbegriffe wie im Vorgängerband. Ansonsten von der sprachlichen Schwierigkeit nicht unbedingt etwas für Anfänger, aber ein sicherer Griff für alle, die bereits das ein oder andere englische Buch gelesen haben.

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