Buchstaben-Salat-Rezension:
Genauso wie bei uns, leiden die Londoner unter brütender Hitze. Dabei werden die weiblichen Stadtbewohner von einem unheimlichen Zeitgenossen beobachtet.
Das Buch gehört zu der Sorte, die einen von der ersten Seite an ins Geschehen
ziehen und die Hauptperson(en) wirklich gut vorzustellen vermögen. French
versteht es, die Gedanken des Mörders und gleichzeitig auch die Hitze der
Großstadt einzufangen. Deutlich wird das an den ersten Sätzen des Buches:
"Im Sommer heizen sich ihre Körper auf. Die Hitze sickert durch die Poren ihrer nackten Haut. Heißes Licht dringt in ihre Dunkelheit. Ich stelle mir vor, wie es in ihrem Inneren umherwogt und sie erregt. Ich denke an die dunkle, glänzende Flüssigkeit unter ihrer Haut..."
Und so geht es weiter - gerade wenn French die Gedanken des Mörders schildert,
bedient sie sich einer eindringlichen, Sprache, lässt ihn sein Opfer genaustens
analysieren und spart nicht mit Details. Der Sommermörder ist so nah an seinem
Opfer dran wie der Leser, er sieht es nur aus einem anderen Blickwinkel.
Die Geschichte
ist grob in drei Teile eingeteilt, diese Trennung wird jedoch dadurch
abgemildert, dass es Überschneidungen sowohl zwischen Schauplätzen, als auch
zwischen mehr oder weniger wichtigen Personen gibt. Dadurch wird der Fluss der
Handlung nicht allzu sehr gestört - normalerweise mag ich Bücher, die auf solche
Episoden setzen, nämlich nicht besonders, da der Bruch mich aus dem Geschehen
heraus reißt und ich mich an die neuen Personen bzw. das neue Umfeld erst einmal
gewöhnen muss.
Obwohl mir schon einige Seiten vor Ende des Buches die Auflösung klar war, hat
mir der Schluss sehr gut gefallen, denn er wartet noch mit einer Überraschung
auf. Insgesamt ein spannender, atmosphärischer Thriller, auch wenn für mich
einige Fragen offen blieben (die ich jetzt aber wegen Spoilergefahr nicht näher
beschreiben möchte). Und noch ein dickes Manko, für das die Autorin aber nichts
kann: Der Klappentext verrät viel zu viel und nimmt einen Teil der Spannung!
Alles in allem ein spannender Psychothriller, der
diesen Namen auch wirklich verdient hat. Ein ungewöhnlicher Plot mit geschickt
eingesetzten psychologischen Horrormomenten, gleichmäßig spannend erzählt und
trotz des etwas übereilten Endes äußerst lesenswert.