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Der Fall Jane Eyre
The Eyre Affair
(3)


Teil 1, Thursday-Next-Reihe
375 Seiten (TB), dtv
Genre: Funny Krimi

Bewertung (1-10):

"My father had a face that could stop a clock."

Inhalt:
Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der Literatur so wichtig genommen wird, dass es eine Spezialeinheit gibt, um sie vor Fälschern zu schützen? Als Geheimagentin Thursday Next ihre neue Stelle in Swindon antritt, ahnt sie schon, dass ihr die größte Herausforderung ihrer Karriere bevorsteht: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Bronte entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England, das mit dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg schon genug Sorgen hat. Aber Thurday Next ist eine Superagentin: clever und unerschrocken. Und wenn sie wirklich mal in der Klemme sitzt, erscheint aus dem Nichts ihr von der ChronoGarde ausgestoßener, ziemlich anarchistischer Vater, um für ein paar entscheidende Minuten die Zeit anzuhalten...

Buchstaben-Salat-Rezension:
Thursday Next, die Frau mit dem ungewöhnlichen Vornamen und nicht weniger bizarren Beruf, arbeitet als LiteraTec-Agentin in einem Jahr 1985, das sich von unserem stark unterscheidet. Literatur hat einen großen Stellenwert in einer Gesellschaft, die sich ihre Haustiere per Klon-Kit selbst zusammenbasteln kann und in der man sich darüber streitet, wer nun wirklich Shakespeares Werke geschrieben hat. Kein Wunder, dass die Welt den Atem anhält, als Acheron Hades (drittgrößter Schurke der Erde) Charles Dickens Originalmanuskript von "Martin Chuzzlewit" stiehlt, Thursdays Onkel als Geisel nimmt und ihre Tante Polly in einem Gedicht von William Wordsworth gefangen hält.

Klingt verrückt? Ist es auch und dabei habe ich hier noch nicht einmal die Hälfte vom Plot angerissen. "Der Fall Jane Eyre" ist eine skurrile Mischung aus Krimi und Satire mit einer gehörigen Portion von noch nie da Gewesenem. Zumindest ist mir noch kein Buch untergekommen, das so selbstverständlich die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischt und dem Leser eine Begegnung mit seinen Lieblingen der klassischen Literatur ermöglicht.

Das Buch lebt vor allem von seinen Hauptfiguren, allen voran Thursday Next, die schlagfertige und mutige Frau mit dem domestizierten Dodo (Version 1.2, ohne Flügel). Von ihrem Onkel Mycroft, der Bleistifte mit eingebauter Rechtschreibprüfung erfindet und ihrem von der Chrono-Garde gejagten Vater, der sich unaufhörlich durch die Zeit bewegt. Und natürlich den vielen literarischen Anspielungen auf Charlotte Brontë, Oscar Wilde oder William Shakespeare.

Man versteht das Buch zwar auch ohne tiefere Literaturkenntnisse - das Lesen macht aber nur halb so viel Freude. Eine sinnvolle und spaßige Ergänzung bietet das reichhaltige Angebot auf Jasper Ffordes Homepage, auf der man nicht nur neue Bilder für den Original Retinal Bildschirmschoner (©MycroTech Developments) downloaden kann, sondern in der Sektion "Reader's Contribution" einen hilfreichen Index für nicht-britische Leser findet. Alles in allem verspricht der Auftakt zur mittlerweile vierteiligen Thursday-Next-Reihe eine vergnügliche Abwechslung für Liebhaber der ungewöhnlichen Literatur à la Terry Pratchett oder Douglas Adams.

Zur englischen Ausgabe:
Der hohe Anteil an englischen Wortwitzen stellt den Leser vor eine ziemliche Herausforderung. Allerdings hilft der Index auf der Homepage des Autoren wirklich weiter und vermag so manche Lücke zu schließen.

Drei-Minuten-Rezension von Lyra, 25. Januar 2005
Rezensiert wurde die Taschenbuch-Ausgabe.
 
Aufmachung: Robuste Bindung, starker Buchrücken. Dieses Buch hält etwas aus und taugt zu mehrfachem Lesen. Hochwertiges Papier. Hier macht Lesen gleich noch mehr Spaß. Das Cover ist durchschnittlich und unauffällig. Das Cover ist ein Blickfang. Normales Schriftbild. Weder zu kleine, noch zu große Schriftgröße. Das orange Cover ist sehr auffällig...
Passt Cover zum Inhalt: ja
Erzählperspektive: Ich-Perspektive, erlebend (der Ich-Erzähler erlebt die Geschichte)
Einstieg in die Geschichte: Spannend, originell, interessant. Der Autor hat sich Mühe gegeben, den Einstieg zu erleichtern.
Plot: Originell. Teilweise neue und erfrischende Ideen. Wow-Effekt. Viele unerwartete Wendungen. Ein Muss für Bücherwürmer.
Figuren: Vielschichtig und interessant. Sympathisch und mitreißend. Originell und verrückt.
Setting: Verrückt, aber glaubwürdig. Auch wenn nicht alles realistisch wirkt, nimmt man die Utopie doch ab. Gut recherchiert. Der Autor hat viel Zeit in Hintergrundrecherche investiert. Man bekommt Lust, nach auftauchenden Romanfiguren aus Literaturklassikern zu recherchieren.
Lesefluss: Abwechslungsreich. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Sprache: Originell und ungewöhnlich. Viele Eigenwort-Kreationen des Autors.
Zusatzmaterial: Vor jedem Kapitel gibt es Zitate verschiedener Protagonisten.
Stärken: Plot (Geschichte), Sprache
Schwächen: Keine
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