Buchstaben-Salat-Rezension:
Für den jungen Oberfähnrich Nick Seafort ist seine erste
interstellare Reise mehr als eine Bewährungsprobe, denn aufgrund
widrigster Umstände landet er im Kommandosessel des Kapitäns. Alle
ranghöheren Offiziere sind umgekommen und so muss Nick mit gerade
mal 17 Jahren die Verantwortung für Schiff, Besatzung und Passagiere
übernehmen. Die Monate dauernde Reise wird zudem von etlichen
Zwischenfällen gestört, die Nick klar machen, dass sein neuer Posten
Macht, aber vor allem Einsamkeit und Pflichterfüllung bedeutet.
Die Geschichte - Auftakt zu einer
längeren Reihe - über den blutjungen Fähnrich, der aufgrund der
Verkettung unglücklicher Umstände zum Schiffskapitän wird, wird aus
der Ich-Perspektive, also aus Nicks Blickwinkel erzählt. Der junge
Mann wird bereits zu seinen Zeiten als Oberfähnrich (der Buchtitel
ist irritierend, Nick ist über den Rang des Kadetten längst heraus)
von Selbstzweifeln geplagt, im späteren Verlauf der Geschichte fast
zerfressen. Das mag den einen Leser nerven, mir hat es aber einen
sehr menschlichen Jungen näher gebracht, der in seiner neuen
Verantwortung nicht Glanz und Gloria sieht, sondern Pflicht und
Ehre. Mit keiner seiner Entscheidungen tut er sich leicht, quält
sich mit wochenlangen Überlegungen und so sind seine teilweise
unbegründeten Grausamkeiten und Entgleisungen nachzuvollziehen.
Nicht nur der Charakter Nick Seafort
macht dieses Buch zur spannenden Lektüre, sondern auch die vielen
Figuren, die ihn umgeben. Nicks Beziehung zu seinen ehemaligen
Ranggenossen ist wesentlicher Bestandteil der Handlung und macht
deutlich, wie einsam der höchste Posten an Bord eines
Sternenschiffes sein kann. Doch ab und zu bricht auch der Junge in
Nick durch und verdrängt für kurze Zeit den bitteren Kapitän -
solche Lichtblicke gehören zu den Höhepunkten des Buches. Gegen Ende
überschlägt sich die Handlung ein wenig und ich hatte den Eindruck,
es wird schnell noch eine Basis für die nächsten Bücher geschaffen.
Dies machte zwar neugierig, war mir aber zu hastig abgehandelt.
Ansonsten ist das Buch natürlich von
der militärischen Struktur eines Raumschiffes geprägt, in dem Macht
und Positionen eine wesentliche Rolle spielen. Auch die
Gesellschaft, in der Nick und seine Kumpanen leben, ist äußerst
interessant konstruiert: Religion spielt eine große Rolle und vieles
im Leben der Menschen ist staatlich reguliert. Einige Bereiche sind
streng überwacht und eingeschränkt, während andere wiederum
erstaunlich liberal gehandhabt werden. Dies hat natürlich Einfluss
auf das Leben der Figuren und prägt ihre moralischen Werte. Man
merkt diesem ersten Band stark an, dass hier die Grundlage gelegt
wird für eine weiterführende Geschichte und ich hoffe, dass die
Welt, in der Nick lebt, in den nächsten Bänden noch weiter
vorgestellt wird.
Fazit: Packendes Weltraumabenteuer
mit einem Helden, der diesen Titel für sich sicherlich nicht in
Anspruch nehmen würde. Militärisch geprägt, aber mit vielen
menschlichen Aspekten.