Buchstaben-Salat-Rezension:
Was sich in Band 1 und 2 bereits abgezeichnet hat, wird in
Band 3 der Nick-Seafort-Reihe geradezu aufdringlich deutlich: Nick
ist eine zerrissene Figur, die mehr als die Hälfte seiner Zeit damit
zubringt, mit sich zu hadern, sich zu hinterfragen und anzuzweifeln.
Wer die Vorgeschichte kennt, weiß, warum dies so ist. Der junge
Kapitän, der durch Zufall zu diesem Amt kam, sich darin aber trotz
seiner Jugend bewährt hat, ist von Selbstzweifeln erfüllt und die
Ich-Perspektive der Bücher bringt diese dem Leser näher. Manchmal
fast zu nah, denn - wie ich schon in den beiden vorherigen
Rezensionen betont habe - kann die ständige Selbstzerfleischungs
Nicks mitunter auf die Nerven gehen. Die Motive für sein Handeln
sind klar, aber fast übertreibt Feintuch es etwas damit, seinen
Helden zu durchleuchten.
Und auch das Schicksal, dass der
Autor dem blutjungen Kapitän zugedacht hat, ist mehr als hart. Mit
den Schlägen, die Nick in dieser Hinsicht widerfahren, lassen sich
natürlich sein Handeln und seine Gefühle gut erklären, nur drängt
sich mir manchmal das Gefühl auf, dass irgendwann eine Grenze
erreicht ist. Ich habe bisher drei Bände dieser überaus spannenden
Reihe gelesen und frage mich ernsthaft, was alles Nick noch zu
erleiden hat, denn die Tendenz der Schicksalsschläge ist steigend.
Dennoch, die Bücher sind gut, keine Frage - mit das spannendste, was
ich in diesem Genre gelesen habe - aber selten habe ich mich einem
Helden gegenüber so zwiegespalten gefühlt. Ich kann sein Handeln
fast immer nachvollziehen, aber verstehen kann ich es dennoch
manchmal nicht.
Trotz des Unverständnisses angesichts
Nickys Wutanfällen, Selbstzweifeln und lebensmüde-heroischen Taten
übt die Reihe einen großen Reiz auf mich aus. Vielleicht ja gerade,
weil sie gleichzeitig Gedanken wie "Oh, wie kann er nur!?", "Musste
ihm das jetzt passieren?" und immer wieder "Ist das spannend!" in
mir hervorruft...