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Michel Faber


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Das karmesinrote Blütenblatt
The Crimson Petal and the White



1055 Seiten (HC), List Verlag
Genre: Historischer Roman

Bewertung (1-10):

"Pass auf, wo du hintrittst! Du musst einen klaren Kopf behalten,
wirst ihn noch brauchen."

Inhalt:
London 1874. Das viktorianische Zeitalter steht in voller Blüte, als William Rackham, glückloser und zu Müßiggang neigender Erbe eines Parfümimperiums, auf Sugar trifft. Es ist eine Begegnung, die beider Leben ändern soll. Im Alter von nur 13 Jahren von ihrer Mutter zur Prostitution gezwungen, teilt Sugar das Schicksal der anderen Huren der Stadt. Und doch strahlt sie etwas aus, das sie über die anderen erhebt und ihr den Luxus erlaubt, mit nur einem Liebhaber am Tag ihr Auskommen zu finden.

Auch William Rackham verfällt nicht nur ihren – wahrhaft meisterlichen – erotischen Künsten, sondern vor allem ihrer Fähigkeit, mit ihm über Literatur und die Empfindlichkeiten seiner Seele zu parlieren. Mit ihr wendet sich sein Schicksal, denn um sie erobern zu können, wird er schon bald zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der Stadt. Und Sugar hat teil an seinem sozialen Aufstieg – bis sie erkennen muss, dass das bürgerliche Leben, in dessen Sog sie zunehmend gerät, ihr als Frau größere Fesseln anlegt, als sie es sich in ihrer früheren Existenz je hätte träumen lassen.

Buchstaben-Salat-Rezension:
Dieses Buch ist wirklich außergewöhnlich und damit meine ich nicht nur den Stil des Erzählers. Auf den ersten Seiten wird der Leser aufgefordert, sich quasi in Geistesgestalt ins London des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu begeben. Nicht etwa in die vornehmen Teile der Stadt, sondern zunächst ins Prostituiertenviertel St. Giles, wo er sich nach einigen Umwegen an die Fersen der Hure Sugar heften und ihren weiteren Lebensweg unsichtbar verfolgen darf.

Bis hierher klingt es noch nicht besonders ungewöhnlich, doch der Stil Fabers trägt viel zum hohen Unterhaltungswert der langen Geschichte bei, die aufgrund ihrer Länge doch nie an Anziehungskraft verliert. Ironische Kommentare und vertraulich dem Leser ins Ohr geflüsterte Hintergrundinformationen zu den Personen, die er begleiten darf, machen den Roman so erfrischend anders. Mit dazu bei tragen außerdem die wenigen Hauptfiguren, die es aber alle in sich haben. Da sind neben Sugar und ihrem Gönner, dem anfangs erfolglosen Parfümfabrikanten William Rackham noch dessen Bruder Henry, die Seelenretterin Emmeline Fox und vor allem Williams Frau Agnes.

Ihr Schicksal ist mehr oder weniger miteinander verbunden und wird im Verlauf der Handlung weiter erzählt. Und das alles in einer nicht langweilig werdenden, manchmal blumigen und phantasievollen Erzählweise, die dem dicken Wälzer größere Längen erspart. Und so erhält man Einblick sowohl in die vornehme Gesellschaft Londons mit ihrer Doppelmoral und strikten Sittsamkeit, als auch in den verruchten Teil des Molochs, den einige der vornehmen Herren nur allzu gut kennen. Und man merkt rasch, dass sich genauso wie im Bodensatz der Stadt auch in der obersten Etage erschreckende menschliche Schicksale ereignen können - und von diesen will Faber in seinem Buch berichten.

Fazit: Bitte nicht abschrecken lassen von diesem 1.055 Seiten starken, karmesinroten Wälzer. Für mich ist das Buch eine wirkliche Entdeckung - vor allem wegen der stellenweise originellen Art des Autoren eine halb tragische, halb amüsante Geschichte zu erzählen.

Besucherrezension von Maikäfer, 25. Oktober 2004
Rezensiert wurde die Hardcover-Ausgabe.
 
Aufmachung: Robuste Bindung, starker Buchrücken. Dieses Buch hält etwas aus und taugt zu mehrfachem Lesen.
Hochwertiges Papier. Hier macht Lesen gleich noch mehr Spaß. Das Cover ist durchschnittlich und unauffällig.
Normales Schriftbild. Weder zu kleine, noch zu große Schriftgröße.
Passt Cover zum Inhalt: weder/noch, ist geheimnisvoll
Erzählperspektive: Erzähler spricht den Leser direkt an und führt und begleitet ihn anfangs teilweise durch das
Einstieg in die Geschichte: Geheimnisvoll. Reizt zum Weiterlesen.
Dass man als Leser direkt angesprochen wird, empfand ich als etwas ungewöhnlich, aber im Laufe der Geschichte wird dies ganz normal und man stört sich nicht mehr daran.
Plot: Die Handlung ist originell aufgezogen und man wird immer mehr hineingezogen und kann nicht mehr aufhören mit Lesen.
Figuren: Vielschichtig und interessant.
Nachvollziehbar in ihren Motiven.
Setting: Realistisch und lebensecht. Man kann sich alles sehr gut vorstellen.
Lesefluss: Ansteigende Spannung. Spannungsbogen kulminiert in furiosem Finale.
Sprache: Präzise und treffend. Man kann sich alle Schauplätze gut vorstellen.
Zusatzmaterial: Lesebändchen
Ergänzende Bemerkungen des Autoren
Stärken: Erzählperspektive
Einstieg in die Geschichte
Plot (Geschichte)
Charakterzeichnung
Schwächen: keine
 

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