Buchstaben-Salat-Rezension:
Zehn Jahre der Ruhe waren Phèdre nach ihren strapaziösen
Abenteuern gegönnt, nun regen sich erneut zwei Personen, die ihr
bisheriges Schicksal beeinflusst haben: Kindheitsfreund Hyacinthe,
der noch immer als "Master of the Straits" im Exil seiner Insel
verweilt und Melisande, Intimfeindin unserer weit gereisten
Kurtisane. Zwei Missionen zugleich hat Phèdre zu bestreiten, denn
zum einen gilt es, Melisandes entführten Sohn Imriel zu befreien.
Zum anderen ist sie immer noch auf der Suche nach dem göttlichen
Wort, das Hyacinthe aus seiner Isolation befreien kann. Und nun
verspricht Melisande einen Hinweis auf eben dieses Wort, wenn Phèdre
ihren Sohn befreit. Doch diese Rettungsaktion erweist sich als
wesentlich gefährlicher und entbehrungsreicher, als die Kurtisane
für möglich gehalten hätte.
Mit jedem Band der Kushiel-Reihe wird
ein weiterer Teil der Landkarte aufgedeckt, die eine gewisse
Ähnlichkeit zu Europa, Persien und Afrika nicht verleugnen kann. Der
letzte Teil bleibt eng an der guten alten Tradition der Reihe, erst
nach einigen Seiten an Fahrt aufzunehmen, auch wenn die Geduld des
Lesers diesmal nicht ganz so lange auf die Folter gespannt wird. Die
zehn Jahre, die seit dem letzten Abenteuer der Helden vergangen
sind, sind spürbar: Beide wirken reifer, ihre Beziehung gefestigt.
Und so geht es im dritten Teil auch weniger um Phèdre und Joscelin
als Liebespaar, ihre Beziehung begibt sich auf eine neue,
unerwartete Ebene. Doch mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Carey spielt auch in "Kushiel's
Avatar" ihre große Stärke für emotional berührende Szenen aus, aber
auch Szenen, die sicherlich nichts für Zartbesaitete sind, sind
enthalten. Insgesamt bildet das Buch einen würdigen Abschluss der
Trilogie, sämtliche Handlungsfäden werden aufgelöst und am Ende
musste ich traurig Abschied nehmen von Phèdre und ihren Gefährten.
Einziger Lichtblick: Die Autorin schreibt bereits an einem weiteren
Buch, das das Schicksal Imriels behandeln wird.