Buchstaben-Salat-Rezension:
War "Son of Avonar" (Teil 1 der Reihe) noch komplex, wird "Guardians
of the Keep" noch komplexer. Würde ich die Geschichte um Seri und
den Prinzen von Avonar in einigen Sätzen zusammen fassen müssen, ich
würde wohl scheitern, so viele Ereignisse, Wendungen und
Offenbarungen hat Carol Berg in die bisherige Handlung eingebaut.
Doch davon sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen - die
Autorin nimmt ihre Leser praktisch an die Hand und führt sie durch
das Gewirr an fremdartigen Welten, Wesen und Gebräuchen. So kommt
einem nichts mehr unlogisch oder absurd vor, man muss sich nur
einlassen auf das bemerkenswerte Phantasiegebäude, das die Autorin
in eigentlich all ihren Büchern konstruiert.
Auch "Guardians of the
Keeps" großer Pluspunkt ist die Entwicklung der mittlerweile lieb
gewonnenen Helden. Die Handlung schließt fast unmittelbar an das
Ende des ersten Bandes an, als Seri einige Zeit auf dem Familiensitz
Comigor verbringt und ihren Neffen Gerick kennen lernt. Von der
Hektik des "großen Finales" des letzten Bandes ist erst einmal
nichts mehr zu spüren, vielmehr konzentriert Berg ihr Augenmerk auf
einen kleinen Jungen, dessen Ängste und Wut ihn zu einem wirklich
seltsamen Zeitgenossen werden lassen. Doch Seri lässt sich davon
nicht abschrecken, sie versucht zu erforschen, was für ein Kind
hinter der steifen Hülle verborgen ist - und wer Berg kennt weiß,
kann sich denken, dass dieser Annäherungsprozess zwischen Neffe und
Tante auf ganz einfühlsame und berührende Weise geschrieben wurde.
Nach dem eher ruhigen
Einstieg überschlagen sich die Ereignisse bald und Seri steckt
schnell wieder mitten im Gefühlschaos gegenüber D'Natheil und neuen
Ängsten um ihren mittlerweile verschwundenen Neffen. Wir verlassen
Comigor und lernen nicht nur das Volk des Prinzen, die Dar'Nethi,
sondern auch deren Todfeinde, die seelenlosen Zhid näher kennen.
Anders als im letzten Band habe ich diesmal keine Längen feststellen
können, was vielleicht auch daran lag, dass die Autorin die Handlung
diesmal nicht nur aus der Perspektive Seris, sondern - immer nach
einigen Kapiteln wechselnd - auch einiger anderer Protagonisten
schildert.
Alles in allem hat
Carol Berg wieder einmal bestätigt, dass sie sich deutlich von einem
Großteil der üblichen Fantasyliteratur abhebt. Wer anspruchsvolle,
bewegende Geschichten zum Eintauchen und Staunen mag und außerdem
bereit ist, sich auf ungewöhnliche Konzepte einzulassen, ist mit
diesem, wie auch den anderen Büchern Carol Bergs, bestens bedient.