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Die Straße zum Paradies
Paradise Alley


912 Seiten (TB), Droemer Knaur Verlag
Genre: Historischer Roman

Bewertung (1-10):

"Er kommt. Ruth lehnte sich aus der Tür, so weit es ihr Mut zuließ,
und spähte nach Westen und Süden die Paradise Alley entlang."

Inhalt:
Es war im Juli 1863. In den Straßen Manhattans streiten sich Kinder mit wilden Schweinen um Brot. Schnaps, bezahlt nach Trinksekunden, schürt die Ungeduld der Männer. Und dann geht die Stadt New York in Flammen auf. Paradise Alley, eine Straße im Armenviertel New Yorks. Drei Frauen warten ängstlich in ihren Häusern auf den gewalttätigen Mob, der sich von Downtown aus auf sie zu bewegt. Ruth hat besonderen Grund zur Sorge, denn sie ist die Frau des entflohenen Sklaven Billy und wird dadurch zur Zielscheibe der rassistischen Aufständischen.

Doch das ist nicht alles: Ihr Exmann entkam aus dem Gefängnis und sucht seit Tagen nach Ruth, um sich an ihr zu rächen. Auch die ehrgeizige Deirdre, deren Mann im Bürgerkrieg vermisst wird, und die Prostituierte Maddy horchen gebannt auf das Dröhnen der Schritte und aufgebrachten Stimmen – jede mit ihren eigenen Gründen, die aufständischen Männer bis ins Mark zu fürchten. In der Paradise Alley kommt es schließlich zur dramatischen Konfrontation. Und die drei Frauen haben nur noch einander, um sich einen Weg aus dem überall aufbrechenden Chaos zu weisen...

Buchstaben-Salat-Rezension:
Schaut man im Lexikon unter Mob nach, finden sich dort Erklärungen wie "aufgewiegelte Volksmenge" oder "sich zusammen rottender Pöbel". In "Die Straße zum Paradies" werden diese Definitionen mit Leben gefüllt, denn der Leser ist Zeuge, wie an drei stickig-heißen Juli Tagen des Jahres 1863 der Moloch New York vollkommen aus den Fugen des normalen Großstadtalltags gerät. Dies alles, weil die Einberufungsbehörde per Los die nächsten Soldaten für den Amerikanischen Bürgerkrieg ermitteln lässt und es dabei die Möglichkeit gibt, sich für 300 Dollar frei zu kaufen. Und das - so die erboste Menge - wo ein (Zitat) "Nigger" auf dem Sklavenmarkt gar 1.000 Dollar kostet.

Aus dieser Sache entwickelt sich langsam, aber unaufhaltsam eine Woge der Gewalt, die sich über die Stadt ergießt und zahlreiche Menschen mit sich reißt, unter anderem Ruth, die den entflohenen Sklaven Billy geheiratet hat und inmitten der Aufstände auch noch von ihrem Ex-Mann, dem Brutalo Johnny Dolan, bedroht wird. Außerdem der Journalist Herbert Willis Robinson, dessen beruflicher Ehrgeiz ihn sich in den Mob einschleichen lässt, um die Ereignisse für einen Zeitungsartikel aus nächster Nähe beobachten zu können. Außerdem sorgt er sich um die Prostituierte Maddy, der er ein Haus in der Paradise Alley - wo auch Ruth und ihre Schwägerin Deidre wohnen - gekauft hat und die ebenfalls zum Ziel des wütenden Mobs werden könnte.

Das 900 Seiten dicke Buch erzählt eine eng gestrickte Geschichte, in der die Protagonisten alle auf eine bestimmte Weise miteinander verbunden sind. Steht man deren Schicksal zunächst noch ungerührt gegenüber, ändert sich dies schnell, wenn Baker im Laufe der Handlung mehr und mehr über ihre Vergangenheit verrät. So wechseln sich Schilderungen der Realität mit Nacherzählungen der Vergangenheit ab - zum Glück ist beides gleichermaßen spannend, so dass keiner der vielen Handlungsstränge große Langeweile aufkommen lässt. Ein wenig unübersichtlich wird es an einigen Stellen jedoch schon, wenn Baker einen Rückblick im Rückblick veranstaltet, aber insgesamt hält sich das Erzählchaos doch in Grenzen.

So wie auch der Mob anschwillt, nimmt die Geschichte an Faszination zu und lässt vor allem die Macht und blinde Gewalttätigkeit einer aufgewiegelten Menschenmasse fast zu lebhaft vor den Augen des Lesers entstehen. Was Gruppendynamik auslösen bzw. unterdrücken kann wird im vorliegenden Buch auf ganz eindrucksvolle Weise dargestellt! Insgesamt eine lange, aber lohnenswerte Lektüre, die den Leser mitnimmt auf eine dreitägige Reise ins lärmende, stinkende und stickige New York des 19. Jahrhunderts.

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