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Lesung zu "Die Siedler von Catan" von Rebecca Gablé in Aachen,
24. Oktober 2003

Meine erste Lesung mit Rebecca Gablé, allerdings nicht mein erster Eindruck von ihr, denn ich konnte die Autorin vor ein paar Jahren bei einem Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse schon einmal beobachten. Heute war der Rahmen ungleich kleiner und intimer, denn die Lesung in der Mayerschen wurde von rund 40 Leuten besucht.

Zu Beginn hörten wir einen Ausschnitt aus dem Hörbuch zum aktuellen Buch - gelesen von Martin May. Der erste Eindruck war gut und die Autorin bewies kurz darauf, dass auch sie das Zeug zum Vorlesen hat, so lebhaft und gekonnt, wie sie aus ihrem Buch vortrug. Zuviel wurde nicht verraten; rund ein Drittel des Buches wurden behandelt. Angefangen hat sie dabei mit der Legende um die Insel Catan, fortgefahren mit dem Entschluss der Elasunder, ihre Heimat zu verlassen und geendet mit der Entdeckung der neuen Heimat, so dass sich ein schöner Bogen und guter Einblick in die Handlung ergab, ohne dass zu viel Spannung genommen wurde.

Nach dem Vortrag konnten Fragen gestellt werden, die ich (soweit mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt), hier kurz zusammenfassen will:

Frau Gablé kannte das Spiel "Die Siedler von Catan" (nach dessen Motiven das Buch auf Bitten des Spieleerfinders Klaus Teuber hin ja entstanden ist) vor dem Schreiben des Buches nicht. Sie hat es sich gekauft, eine Insel aus den vielen Kärtchen vor sich entstehen und dadurch bereits ein wenig inspirieren lassen.

Sehr interessant fand ich die die Frage, ob es Absicht sei, dass fast alle Charaktere in den historischen Romanen Gablés direkt zu Beginn des Buches "entwurzelt" werden - dass irgendetwas Einschneidendes in ihrem Leben geschieht. Der Autorin war dieses Muster anscheinend vorher nicht bewusst, aber sie meinte, dass ein direkter Einstieg ihr dabei helfen würde, in die Geschichte hinein zu kommen (was nicht nur der Autorin, sondern z.B. auch mir als Leserin so geht).

Eine weitere Frage betraf einen Hinweis auf Frau Gablés Homepage auf eine Reportage über Recherchearbeiten, die sie vor einigen Monaten in England durchgeführt hat. Die Recherche betraf übrigens eine Fortsetzung ihres Romanes "Das Lächeln der Fortuna", an der sie bereits seit ein paar Monaten schreibt. Der Sendetermin der Dokumentation (Bayerischer Rundfunk) steht noch nicht fest, wird aber voraussichtlich im ersten Quartal 2004 liegen.

Ob sie sich mit ihren Figuren identifiziere, lautete die nächste Frage. Das tue sie - meist mit den Hauptfiguren - und bei den Siedlern wäre dies folglich Candamir. Sie ärgere sich aber auch manchmal über ihn, denn die Figur ist nicht nur mit positiven Eigenschaften ausgestattet. Ihr eigentlicher Favorit in diesem Buch sei der Sachse - seine prüde, verklemmte Art unter den (was z.B. das Zwischenmenschliche angehe) eher direkten Elasundern, sei "süß". Den richtigen Namen des Sachsen konnte sie übrigens auf Nachfrage auch korrekt aussprechen...

Überhaupt habe ihre Recherche zu den Wikingern so manches Vorurteil bei ihr ausgeräumt. Hatte sie dieses Volk vorher eher aus Berichten aus der Opferperspektive heraus wahrgenommen - also als trinkfeste, brutale Gesellen - musste sie diese Meinung beim Schreiben von "Die Siedler von Catan" revidieren.

Eine weitere Frage betraf den Entstehungsprozess ihrer Bücher. Einen groben Plan lege sie vorher fest, doch falls sie an einen Punkt komme, an dem der Charakter einer Figur einfach nicht mehr in dieses Raster passe, habe sie sich so viel Flexibilität bewahrt, die Handlung auch einen anderen Verlauf nehmen könne. In diesem Zusammenhang wurde auch danach gefragt, wieso...

 

- - - Achtung Spoiler zu "Das Lächeln der Fortuna"!!! - - -

...Joanna, die erste Frau Robins stirbt. Antwort: "Weil sie mir auf den Keks ging!". Als Autorin habe man eine gewisse Macht; nervige Figuren haben dann "schlechte Karten" und können auch schon einmal sterben. Es steht also nicht unbedingt fest, ob eine Figur das Ende eines Buches auch wirklich erlebt...

- - - Ende Spoiler zu "Das Lächeln der Fortuna"!!! - - -

 

Mit diesen Fragen ging eine äußerst interessante Lesung zu Ende, bei der ich vor allem den Vortrag der Autorin genossen habe und mich über die Aussicht auf eine Fortsetzung zu "Das Lächeln der Fortuna" bereits jetzt freue...

Annette Wirtz, Oktober 2003

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