Interview mit Markolf Hoffmann
geführt von
Buchstaben-Salat.de und
Steffis-Buecherkiste.de
am 18. Mai 2004
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Erzählst Du uns und unseren Besuchern etwas über Dich?
Deine Hobbys, etc.?
Ich bin 28 Jahre alt, studiere in Berlin, bin schon seit etlichen Jahren
literarisch tätig. Neben dem Schreiben spiele ich sehr viel Klavier,
zumeist eigene Kompositionen, und gehe leidenschaftlich gerne ins Theater
und Kino. Gelegentlich drehe ich mit einigen Freunden Kurzfilme; den
jüngsten Film schneide ich zur Zeit, es handelt sich um eine
Horrorgroteske. Ansonsten genieße ich das reiche kulturelle Leben in
Berlin, gehe gelegentlich in einen Club oder mache mit meinen Freunden die
Kneipen der Stadt unsicher.
Gab es in Deinem Leben einen bestimmten Punkt, an dem Du
wusstest, dass Du Schriftsteller werden willst? Oder war das eher eine
schrittweise Entwicklung? Du hast ja schon in Deiner Jugend an
Literatur-Wettbewerben teilgenommen.
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer,
bereits als Kind habe ich meiner Mutter einige erdachte Geschichten
diktiert. Mit 16 kam dann zum ersten Mal der Gedanke, das Schreiben auch
professionell zu betreiben. Ich habe dann verstärkt an
Literaturwettbewerben teilgenommen und hier meine ersten Erfolge gefeiert.
Kannst Du uns den Weg schildern, den Du gehen musstest,
um Nebelriss veröffentlichen zu können? Musstest Du auf die klassische Art
"Klinken putzen" oder hattest Du keine Probleme, einen Verlag zu finden?
Es war eigentlich ganz einfach: Ich habe eine
Homepage gebastelt (www.nebelriss.de),
Exposés angefertigt und an mehrere Verlage geschickt. Daraufhin kamen zwei
Anfragen, eine vom Heyne-Verlag, und man bat mich, auch den Rest des
Manuskriptes einzureichen. Natürlich hat es anschließend noch eine Weile
gebraucht, bis
Nebelriss tatsächlich erscheinen konnte, doch der erste Schritt war
geschafft. Ich weiß allerdings, daß ein solch rascher Durchbruch sehr
ungewöhnlich ist; es zeigt aber, dass ein gutes Manuskript durchaus
Chancen hat, gelesen zu werden.
Woher kam die Idee zu Nebelriss und den anderen
Büchern der Trilogie? Hattest Du die Welt und ihre Figuren bereits
vollständig im Kopf, als Du angefangen hast zu schreiben, oder hast Du
Dich beim Schreiben einfach mitreißen und sich die Geschichte ohne große
Planung entwickeln lassen?
Die Grundidee zu
Nebelriss
spukte mir schon lange im Kopf herum; einige Personen – etwa Akendor,
Binhipar und Inthara – existierten bereits in einem älteren
Fantasy-Manuskript und erwachten nun zum neuen Leben. Die Geschichte hat
sich allerdings beim Schreiben langsam entwickelt; ursprünglich waren auch
nur zwei Teile geplant. Als ich jedoch etwa ab der Hälfte von "Nebelriss"
das Gesamtkonzept entwickelte, wurde mir klar, daß es wohl doch eine
Trilogie geben wird, denn die Handlung ist sehr komplex, wie jeder Leser
des ersten Romans bestätigen kann.

Was liest Du, wenn Du nicht gerade schreibst? Kannst Du uns vielleicht
Deine Lieblingsautoren und Deine aktuelle Lektüre nennen?
Ich habe schon immer gerne gelesen, wobei meine Vorlieben nicht auf ein
spezielles Genre festgelegt sind. Meine Lieblingsautoren sind Italo
Calvino und die Gebrüder Strugatzki, vor allem aber bewundere ich den
irischen Autoren James Joyce, dessen Sprachgewalt und stilistische
Kühnheit noch heute beeindrucken. Zur Zeit lese ich einige
Seefahrtsromane, um Inspiration für meinen Roman "Flammenbucht" zu
gewinnen. Im Moment bin ich bei dem Klassiker "Moby Dick" von Herman
Melville – ein Meisterwerk! Ich bin begeistert von der Sprachgewalt, dem
Humor, der Emotionalität, die aus diesem Buch spricht, und kann es nur
jedem empfehlen.
Kannst Du uns etwas über die anderen beiden Teile Deiner Trilogie erzählen
und wann sie ungefähr erscheinen werden?
"Flammenbucht" wird voraussichtlich in diesem Herbst
erscheinen, noch arbeite ich an den letzten Kapiteln. Der Roman spinnt die
Handlung von
Nebelriss
weiter, entführt die Leser jedoch zu neuen Schauplätze der Welt Gharax: in
die alte Kaiserstadt Vara, wo Fürst Baniter neue Intrigen gegen seine
Kontrahenten im Thronrat schmiedet; in das Silbermeer, wo die Goldéi
mithilfe des verräterischen Barons Eldrom von Crusco einen Großangriff
gegen das Kaiserreich planen; und in die geheimnisvolle Höhlenwelt des
'Heiligen Spektakels', wo der Zauberlehrling Laghanos mehr über seine
Bestimmung erfährt. Der Feldzug der Goldéi hat unterdessen die Länder
Arphat und Sithar erreicht, die durch eine brüchige Allianz miteinander
verbunden sind. In Sithar besteigt ein neuer Kaiser den Thron, und der
Priester Nhordukael erforscht die Geheimnisse der Sphäre, in der ein
verborgener Krieg tobt. Es wird den Lesern also einiges geboten in
'Flammenbucht' … Wann der dritte Teil (voraussichtlicher Titel:
'Schattenzwist') erscheint, steht noch in den Sternen. Ich denke, er wird
frühestens im Sommer 2005 im Buchladen stehen.
Durch den Verkauf von Heyne an die Randomhouse-Gruppe und den
Fantasy-Zweig von Heyne an Piper gibt es momentan ein richtiges
Durcheinander. Bist Du stark davon betroffen?
Inzwischen steht fest, dass die Reihe "Das Zeitalter der Wandlung" von
Piper weitergeführt wird. Mir persönlich tut dies sehr leid, weil ich mich
bei Heyne gut aufgehoben fühlte, doch nun hoffe ich auf eine ebenso gute
Zusammenarbeit mit Piper.
Hast Du schon Ideen für Projekte nach dem
Zeitalter der Wandlung? Möchtest Du uns vielleicht schon etwas darüber
verraten?
Zunächst möchte ich einen zeitgenössischen Roman in der
Verlagslandschaft unterbringen; der Titel lautet "Die
Neumondgesellschaft". In ihm setze ich mich mit der heutigen
Leistungsgesellschaft auseinander. Im Mittelpunkt steht ein ca. 30jähriger
Programmierer, der in das Haus seiner Kindheit zurückkehrt; auf dem
Dachboden dieses Hauses trifft zu jeder Neumondnacht eine obskure
Gemeinschaft zusammen. Es gibt einige phantastische Elemente in diesem
Roman, doch tatsächlich geht es um Fragen des Erwachenswerdens, des
Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft und um den psychischen
Druck, der heutzutage auf junge Menschen ausgeübt wird. Wer mal einen
Blick auf dieses Projekt wagen möchte:
www.neumondgesellschaft.de.vu. Daneben habe ich natürlich zahlreiche
Ideen für weitere Romane, doch zunächst möchte ich das "Zeitalter der
Wandlung" fertig schreiben. Auf jeden Fall möchte ich nicht nur auf das
Fantasy-Genre festgelegt bleiben.
In "Nebelriss" mutete das Königreich Arphat
ziemlich ägyptisch an. War das beabsichtigt oder formte sich dieser Teil
Deiner Fantasywelt ganz von selbst so?
Ich habe natürlich bewusst Assoziationen an das alte
Ägypten wecken wollen. Auf jeden Fall wollte ich Arphat deutlich von dem
eher mittelalterlich anmutenden Kaiserreich Sithar abgrenzen. Vor allem
hat es mich gereizt, Arphat als streng hierarchischen Priesterstaat zu
zeichnen, an dessen Spitze uneingeschränkt die gottgleiche Königin steht.
Arphat wird übrigens im dritten Teil der Trilogie wieder in den
Mittelpunkt gerückt – wenn auch in gänzlich veränderter Form.
"Nebelriss" enthält sehr viele verschiedene
Handlungsorte und Personen, weswegen der Roman vielleicht etwas mehr
Konzentration erfordert als der typische 08/15-Fantasyroman. Auch gibt es
viele verzwickte politische Verwicklungen. War es beim Schreiben schwer,
den Überblick zu behalten?
Die Handlung ist in der Tat sehr kompliziert. Ich wollte
den Leser fordern, und so habe ich die politischen Verstrickungen bewusst
komplex angelegt. Es gibt nun mal in der Politik immer viele Parteien, die
Einfluss auf die Geschicke eines Landes nehmen wollen; dies soll sich in
Nebelriss
widerspiegeln. Natürlich erforderte es schon einige Konzentration, die
einzelnen Stränge logisch zu verknüpfen, nichts durcheinander zu bringen
und keinen Handlungsstrang unter den Tisch fallen zu lassen.
Dein Roman wirkt sprachlich sehr ausgereift. Hast Du
darauf besonderes Augenmerk gelegt?
Dies war eigentlich mein wichtigstes Anliegen:
Ich wollte einen stilistisch ausgefeilten Roman abliefern, denn auf
Stilfragen wird im Genre oft zu wenig geachtet. Gelegentlich habe ich auch
mit Elementen der Lautmalerei, mit Verdichtungen und Symbolen gespielt;
hier möchte ich in Zukunft noch mehr wagen, mehr Mut zum literarischen
Experiment entwickeln – auch und gerade in der Fantasy!
Wie sieht Dein Alltag als Schriftsteller aus?
Kannst Du Dich vollkommen auf die Schriftstellerei einlassen? Und wie
sieht ein Tag, den Du mit dem Schreiben an einem Buch zubringst, ungefähr
aus?
Zur Zeit besteht mein Leben fast ausschließlich aus dem
Schreiben von "Flammenbucht", doch im Hintergrund lauert meine
Magisterarbeit, die ich im Anschluss an das Buch verfassen möchte, um mein
Studium der Literaturwissenschaft und Geschichte zu beenden. Mein
derzeitiger Arbeitstag sieht etwa wie folgt aus: Nach einem ausführlichen
Frühstück spiele ich etwas Klavier, um mich zu entspannen, dann setze ich
mich an den Computer und schreibe an einem Strang weiter, der mich gerade
reizt. Ich schreibe "Flammenbucht" nicht ganz so chronologisch wie
"Nebelriss", springe oft zwischen den Strängen hin und her, zumal diese
dichter miteinander verknüpft sind als im ersten Teil. Am Abend gibt es
dann eine längere Essenspause, anschließend schreibe ich noch ein paar
Stündchen. Vor dem Schlafengehen lese ich dann noch ein bisschen oder
schaue mir mit meinem Mitbewohner – ein noch größerer Filmfreak als ich! -
eine DVD an.
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