Interview
mit Carol Berg
vom 14. Januar 2004
deutsche Übersetzung
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Als Sie begonnen haben, die
Rai-Kirah-Bücher zu schreiben – hatten Sie da schon den größten Teil der
Handlung fertig im Kopf oder hat sich die Geschichte erst nach und nach
beim Schreiben entwickelt?
Die Geschichte von Seyonne und Aleksander
entwickelte sich während des Schreibens. Transformation sollte eigentlich ein Einzelband werden über einen
arroganten, unausstehlichen Prinzen mit einem großen Schicksal, erzählt
von einem Mann, der stets in seiner Nähe ist, aber keinen Grund hat, ihn
zu mögen. Ich wusste eigentlich noch nichts von den Dämonen oder der
Hierarchie der Ezzarianer, geschweige denn vom Formwandeln.
Erst nachdem ich das Buch fertig hatte und
realisierte, dass es die Geschichte einer tiefen Freundschaft geworden
war, begann ich über die Dämonen nachzudenken und dass ich mich nicht
wirklich eingehend mit ihrer Geschichte befasst hatte. Das brachte mich
darauf, über ihre Herkunft nachzudenken und darüber, dass die Ezzarianer
vielleicht ihre eigene Geschichte nicht richtig kennen. Diese Gedanken
führten dann natürlich zu Revelation und Restoration.
Für mich sind ihre Charaktere in der
Trilogie “The Books of the Rai-Kirah” sehr lebendige und sorgfältig
kreierte Persönlichkeiten. Viele von ihnen gehören zu der Sorte Charakter,
die einem im Kopf hängen bleibt (zum Beispiel Seyonne, Aleksander, Fiona
und Lydia). War es schwer für Sie, sich von ihnen am Ende des dritten
Buches der Trilogie zu trennen – oder haben Sie eventuelle sogar Pläne für
ein Wiedersehen?
Ja, es war wirklich sehr schwer, sich von
ihnen zu verabschieden. Trotzdem weiß ich, dass ich ihre gesamte
Geschichte erzählt habe und dass es nun an der Zeit ist, mich mit einer
neuen Geschichte zu befassen. Der einzige Weg, noch einmal in ihre Welt
zurückzukehren, wäre über Kurzgeschichten, die einiges der
Hintergrundgeschichte erzählen könnten. Aber zurzeit habe ich nicht vor,
dies zu tun.
Welchen Ihrer Charaktere mögen Sie am
liebsten? Eine der „alten“ Figuren oder eine Ihrer neuen Trilogie?
Das ist eine sehr schwere Frage, ungefähr
so, als würde man eine Mutter fragen, welches ihrer Kinder sie am meisten
liebt. Seyonne und Aleksander haben immer einen speziellen Platz in meinem
Herzen. Aber – glauben sie mir oder nicht – es gibt auch Charaktere in der
neuen Serie, die ich genauso liebe wie diese beiden.
Seri ist vielleicht meine kompletteste
weibliche Figur – stark, leidenschaftlich, ungestüm, intelligent,
unbeirrbar in Loyalität und Glauben, jähzornig und oft handelt sie ohne
nachzudenken. Dann der arme Karon – er rangiert gleich neben meinen
anderen tragischen Helden, ist aber um ein Vielfaches romantischer als
sie. D’Natheil ist grausam und wütend, aber er besitzt so viel Charme,
dass ich davon ausgehe, dass auch meine Leser ihn besser kennen lernen
werden (als ich diesen mysteriösen jungen Mann erschuf, war auch ich mir
nicht ganz sicher, in welche Richtung er sich entwickeln würde).
Aber aus der neuen Serie sind es Gerick und
Paulo, die sich einen Platz an der Seite meines lieben Derzhis und
Ezzarianers erobert haben. Gerick – der in Guardians of the Keep
und The Soul Weaver auftauchen wird – ist ein tiefgründiger,
tragischer junger Mann, dem wir zuerst als Zehnjährigen begegnen werden.
Und jeder, der diese Bücher bereits lesen konnte, hat sich sofort in Paulo
verliebt; besonders in Guardians. Wir treffen Paulo schon in Son of Avonar - als einen ungebildeten Bauernjungen mit einem
verkrüppelten Bein, der eine spezielle Neigung zu Pferden und „jack“
(getrocknetem Fleisch) hat.
Haben Sie irgendwelche Vorbilder zur
Welt und den Personen in den Books of the Rai-Kirah inspiriert oder sind
sie alle in Ihrem Kopf entstanden?
Jeder Charakter und jede Umgebung, die ich
kreiert habe, haben einen gewissen Ursprung in bestimmten Menschen und
Orten, die ich gesehen oder über die ich gelesen habe. Wenn ich über die
Derzhi schreibe, denke ich an die Kosaken in Zentral-Asien, an die
Mongolen, an die Beduinen und andere Wüstenvölker der Welt.
Wenn ich über Gerick oder Paulo schreibe,
denke ich an meine beiden jungen Söhne und all die anderen Jungen, die ich
kenne oder über die ich gelesen habe. Aber kein Charakter, Rasse oder Ort
in meinen Büchern ist mehr als eine Komposition dieser Sammlung, die ich
mir über die Jahre zugelegt habe. Ich fange nicht an zu schreiben, um
irgendeinen bestimmten Platz zu reproduzieren (Ok, ich denke in Son of Avonar
wird dem Leser ein Teil des Zion Canyon National Parks
begegnen, einem wirklich wundervollen Canyon im Staate Utah).
Gibt es irgendwelche Pläne für Projekte
nach dem dritten Buch Ihrer neuen Serie “The Bridge of D’Arnath”?
Ich habe bereits ein paar Ideen in Arbeit.
Letzte Woche habe ich The Soul Weaver an meinen Lektor geschickt.
Diese Woche möchte ich mir frei nehmen und dann entscheiden, welches
Projekt ich als nächstes angehe. Ich habe einen Teil eines vierten
D’Arnath-Buches geschrieben und werde dieses vielleicht beenden. Es ist
ein Einzelband, welcher der Trilogie folgt. Aber eigentlich möchte ich
zunächst etwas ganz neues machen. Eine meiner Ideen ist eine
renaissance-artige Welt, in der Wissenschaft und Magie im Wettbewerb
stehen. Eine spielt in einer Zeit nach dem Niedergang Arthurs. Beide haben
zentrale Charaktere, die mich sehr ansprechen.
Der US-Markt ist gut versorgt mit
Fantasy-Büchern (leider ist dies der deutsche Markt nicht und außerdem ist
das Genre hier nicht so hoch angesehen wie bei Ihnen). War es schwer für
Sie, sich einen Ruf als Autorin zu schaffen bei einer solchen Fülle von
Kollegen die im selben Genre tätig sind? Wie genau wurde ein Verlag auf
Sie aufmerksam?
Ja, es ist wirklich schwer, den Durchbruch
zu schaffen. Ich bin überwältigt, wenn ich große Anzahl an Menschen sehe,
die auch Fantasy-Geschichten schreiben möchten. Ich habe für fast acht
Jahre geschrieben, ohne darüber nachzudenken, dass eine Veröffentlichung
überhaupt möglich ist – und ich glaube, das hat mir nicht geschadet.
Außerdem glaube ich, dass mein reiferes Alter nicht nur mein Schreiben
beeinflusst, sondern mir auch geholfen hat, viel über die Kunst des
Schreibens zu lernen.
1999 hatte ich das Glück, eine Konferenz zu
besuchen, auf der eine Fantasy-Redakteurin von
Roc Books ein „Lesen-und-Beurteilen“-Seminar abhielt. Acht bis zehn
Teilnehmer haben dort den Anfang ihrer Geschichte einer Gruppe vorgelesen
und dann hat die Redakteurin sie gleich dort beurteilt. Laura Anne sagte,
sie mochte Transformation vom ersten Augenblick an. Nach diesem Wochenende wollte
sie es komplett lesen. Drei Tage nachdem ich ihr das Buch geschickt
hatte, hat sie es gekauft. Ich muss hierbei nochmals betonen, dass ich –
bevor ich Transformation schrieb – bereits seit acht Jahren nur zum Spaß
Geschichten geschrieben habe.
Viele us-amerikanische Fantasy-Bücher
haben ein Cover, das eine Szene zeigt, die direkt mit dem Inhalt des
Buches zu tun hat (viele deutsche Bücher weise keine solche Verbindung
auf). Wurden Sie in den Entstehungsprozess des Covers mit eingebunden und
falls Sie ein Mitspracherecht hatte – hatten Sie auch die Möglichkeit, den
Prozess direkt zu beeinflussen? Welches Ihrer Cover gefällt Ihnen am
besten (mein persönlicher Favorit ist das von „Revelation“).